An Rennen, die in den Entwicklungsjahren des Automobils ihre Berechtigung haben, hat sich das Automobilwerk nur selten beteiligt, dagegen häufiger und mit gutem Erfolg an Zuverlässigkeitsfahren. Als wirksamste Propaganda wurde in den folgenden Jahren fortgeschrittener Entwicklung die Erzeugung guter Fabrikate angesehen. Daher ist es nicht nötig gewesen, durch kostspielige Rennerfolge den Absatz zu fördern.
Eine Reihe weiterer Wagen- und Motorentypen (F, A und B) kann hier als von unwesentlichem Belang übergangen werden. Die Bedürfnisse der Gesamtfirma, der Heeresverwaltung und die Nachfrage der sonstigen Verbraucher gab Anlaß, einen Lastwagen, Type L mit 20/50 PS-Motor und Kardanantrieb, von außerordentlich kräftiger Bauart (Bild 18), ferner einen Personenwagen, Type mit 16/46 PS-Motor, herauszubringen und die vorhandenen Materialien im Kriege und der Nachkriegszeit mit ihrer schwierigen Beschaffung von einwandfreien Rohstoffen aufzugebrauchen.
Zitat aus "Nachrichten der Siemens-Schuckertwerke GmbH und der Siemens & Halske Aktiengesellschaft 1913", Berlin 1913:
"Die Protos-Automobile G.m.b.H. Berlin-Nonnendam, eine Abteilung der Siemens-Schuckertwerke, welche im Jahre 1907 gelegentlich der Internationalen Automobil-Ausstellung zum ersten Mal an die Öffentlichkeit getreten ist, stellt in ihrem Werk, welches zurzeit eine bebaute Fläche von etwa 18.000 qm einnimmt, neben anderen Fahrzeugen in der Hauptsache die bewährten Protos-Automobile her, deren neueste Modelle im nachstehenden kurz beschrieben werden sollen.
Die Protoswerke bauen Benzin-Wagen von 6/16, 8/21, 10/30, 14/38, 18/42 und 27/62 PS. Die Chassis der Typen von 6/16, 8/21, 10/30 und 14/38 PS besitzen eine Motor, dessen vier Zylinder zu einem Block zusammengegossen sind, während bei den übrigen Typen je zwei Zylinder einen Block bilden, so daß die Vierzylinder-Maschinen der Wagen von 18/42 PS, zwei Zylinderpaare, und das Chassis des großen Sechs-Zylinderwagens von 27/62 PS drei Zylinderpaare besitzen.
Die Zündverstellung ist bei den kleineren Wagen selbsttätig. Die Ölung der Motoren erfolgt bei allen Typen durch eine an das Kurbelgehäuse angebaute Zahrad- oder Kolbenpumpe, welche von der Nockenwelle zwangsläufig angetrieben wird und keiner Wartung bedarf. Der Antrieb der Nockenwelle geschieht durch eine neuartige Konstruktion vollkommen geräuschlos. Die Zufuhr des in einem Protos-Zenithvergaser erzeugten Gasgemisches kann sowohl durch einen auf dem Steuerrad befindlichen Handhebel, als auch durch ein Acceleratorpedal reguliert werden.
Das Kühlwasser zirkuliert bei den Typen 6/16, 8/21, 10/30 und 14/38 nach dem Thermosyphonsystem, während bei den anderen Wagen eine Rotationspumpe Verwendung findet. Die Wirkung des Kühlers wird durch einen kräftigen Ventilator unterstützt. Als Kupplung findet teils die bewährte Lederkonuskupplung, teils eine Stahllamellenkupplung Verwendung, welche ein besonders sanftes Einrücken der einzelnen Geschwindigkeiten ermöglicht. ...."
(Andreas Ledetsch vielen Dank für die Kopie!)

Grundsätzlich wurde aber aus dem Gedanken heraus, daß eine wirtschaftliche Fertigung bei einem Werk der vorhandene Größenordnung nur dann zu erzielen ist, wenn möglichst wenig verschiedene Typen erzeugt werden, bereits im Jahre 1912 beschlossen, nur eine Wagentype herzustellen. Die Zeit hat diesem wirtschaftlichen Gedanken nach 10 bis 12 Jahren allgemein Bahn gebrochen.
So setzte im Jahre 1913 der Bau des C 10/30er Wagens ein. Mit diesem Wagentyp wurde in baulicher Hinsicht insofern ein wesentlicher Fortschritt gemacht, als Kupplung, Kardan, Drehmoment- und Schubaufnahme der Hinterachse Verbesserungen und Vereinfachungen erfuhren, die bis heute eine grundsätzliche Abänderung nicht mehr nötig machten. Bild 19 zegt einen Schnitt durch die eigenartige Kupplung. Die am E-Wagen noch vorhandenen Schubstangen sind in Fortfall gekommen. Die Rückwirkung des Achsenantriebes und der Bremsung wird durch die Federn aufgenommen.

Bild 20 stellt den 10/30er Motor mit 80 mm Zylinderbohrung und 130 mm Hub bei 2,6 l Hubvolumen dar. 1924 erfuhr der Zylinderblock des Motors insofern eine Abänderung, als statt der geschlossenen Blockbauart eine solche mit abnehmbarem Kopf und hängenden Ventilen eingeführt wurde. Diese mit C I 10/45 PS bezeichnete Bauart ermöchligte eine bessere Form des Kompressionsraumes, eine günstigere Verbrennung des Gasgemisches und hierdurch eine Steigerung des mittleren Druckes des Arbeitsprozesses.

Bild 21 und 22 zeigen die charakterischen Kurven der Bremsleistung, ferner der auf 1 l Hubvolumen bezogenen Leistung, des erzielten, die Güte der Bauart besonders kennzeichnenden mittleren Druckes und des spezifischen Brennstoffverbrauchs in Abhängigkeit von der Drehzahl. Die Verbesserung der einzelnen vergleichbaren Kurven gegenüber den zeitlich vorhergehenden Motortypen ist durch Schrägstrichelung kenntlich gemacht. Ein stetiger Fortschritt ist nicht zu verkennen. Er kommt auch in den Zahlen der je Kilogramm Motorgewicht erzielten Höchstleistung in PS bei durchweg mäßig gehaltener Drehzahl charakterisch zum Ausdruck.
Während noch der E I 18/42 PS-Motor mit 272 kg, der 8/21er G-Motor mit 148 kg und der C 10/30er Motor mit 215 kg Gewicht einen Materialaufwand von 7 bis 6½ kg/PS erforderten, ging dieser beim 230 kg schweren 10/45er C I -Motor mit gußeiserner Kolben auf 5,1 kg und mit Aluminiumkolben auf 4,8 kg je PS herunter.
"Die Entwicklung des Verbrennungsmotorenbaues bei der Siemens & Halske A.G.", von Ernst Becker, Berlin 1932:
Im Jahre 1919 war das Blockwerk in der Hauptsache mit der Herstellung der C-, D-, L- und M- Motoren beschäftigt. Das Autowerk beabsichtigte damals, sich lediglich auf den Bau der 10-steuerpferdigen mittleren Wagen (Bauart C) in größeren Maßstabe einzustellen. Schon damals vertrat das Blockwerk in Berücksichtigung der veränderten Wirtschaftslage den Standpunkt, daß nicht weniger wichtig ein kleinerer Wagen von 5 - 6 Steuer-PS wäre, was sich in späteren Jahren auch bestätigt hat.
Es stellte sich daher die Aufgabe, einen Motor dieser Größe zu schaffen, der nach den neuesten Gesichtspunkten des Motorenbaues unter Berücksichtigung der Erfahrungen aus dem Flugmotorenbau konstruiert werden sollte. Mitbestimmend für diesen Entschluß war, daß für Motoren dieser Leistung auch sonst noch sehr große Absatzmögligkeiten im In- und Ausland vorlagen, so z. B. für kleine Boote, für landwirtschaftliche Bodenbearbeitungsmaschinen, zum Antrieb von Feuerspritzen, Pumpen, sowie als Maschinensätze zur Erzeugung elektrischen Stromes. Die Nachfrage nach Motoren dieser Größe war damals sehr rege. Der Motor wurde so durhgebildet, daß er allen diesen Zwecken gerecht wurde und infolgedessen in größeren Serien aufgelegt werden konnte, wodurch eine einheitliche und rationelle Fabrikation gegeben war.
Es wurde ein Vierzylinder-Motor von 70 mm Bohrung und 102 mm Hub entwickelt, der wahlweise ohne Lichtmaschine, mit Zündapparat, mit Lichtmaschine oder mit Lichtmaschine und Anlasser ausgerüstet werden konnte. Desgleichen konnten je nach Verwendungszweck Wasserpumpe, Drehzahlregler und Ventilator vorgesehen werden. Von den verschiedenen bisherigen Bauarten unterschied sich der Motor vorteilhafterweise in der Anordnung, Lage und vollkommenen Einkapselung allen empfindlichen Steuerungsteile. Die Ventile waren hängend im Zylinderkopf angeordnet und wurden unmittelbar von einer darüberliegenden Nockenwelle betätigt. Die Einheitlichkeit der Bauart und die vielseitige Verwendungsmögligkeit wurde dadurch gefördert, daß der Motor je nach den Einbauerfordernissen verschiedene Befestigungsarme erhielt, sodaß er an sich immer der Gleiche blieb.
Für Kraftwagen wurde der Motor in der Ausführung E 4 a gebaut, und zwar für einen 6 steuerpferdigen Wagen. Er leistete 25 PS bei 2600 Umdrehungen; das Gewicht mit Schwungrad betrug 160 kg. -- Auf dem einen Nockenwellenende war ein Stromverteiler aufgesetzt. Es war damals schon die heute allgemein gebräuchliche Batteriezündung vorgesehen.
1920 - 1927 wurden von diesem Motor rd. 590 Stück hergestellt. Als Abnehmer kamen nur fremde Firmen in Frage.
Aus "Autos aus Berlin: Protos und NAG", von Hans-Otto Neubauer, Berlin 1983:
Die Entwicklung des Automobils in den Nachkriegsjahren wurde vom Autowerk insofern realistisch eingeschätzt, als man sich auf die Herstellung eines Einheitstyps spezialisieren wollte, und zwar ging man von einem 10-(Steuer)PS-Typ aus. Das Motorenwerk schätzte die Situation anders ein und hatte auch einen neuen 6-PS Motor entwickelt, den Typ E4, den man als ideales Aggregat für ein Automobil ansah, wie auch für Boote, kleine landwirtschaftliche Bodenbearbeitungsgeräte, zum Antrieb von Feuerspritzen, Pumpen, Generatoren. Es verfügte über hängende Ventile und eine obenliegende Nockenwelle, hatte einen Hubraum von 1595 cm³ und eine Leistung vn 6/30 PS. Man lieferte dieses Aggregat an Autofirmen wie Alan, Moll und andere.
Als Erweiterung dieses Motors entstand der Sechszylinder Typ E6 mit einem Hubraum von 2560 cm³ und einer Leistung von 10/50 PS, für den man allerdings das Werk Nonnendamm nicht begeistern konnte. So lieferte man ihn als Einbaumotor, u.a. an die Fahrzeugfabrik Düsseldorf AG (FADAG).

Eine besondere Entwickung stellte der "Fächermotor" dar, den Siemens für den neuen "Tropfenwagen" von Edmund Rumpler baute, der auf der Automobil-Ausstellung 1921 in Berlin vorgestellt wurde. Hierbei handelte es sich um einen Dreizylinder-"Doppelsternmotor". Er hatte einen Hubraum von 2600 cm³ und leistete 36 PS bei 2000 U/min.
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