Während des Ersten Weltkrieges stellte Protos die Produktion auf die Bedürfnisse der Armee um. Besonders wurden Lazarettwagen und Generatorfahrzeuge hergestellt sowie andere Spezialfahrzeuge. Für mannigfaltigen Bedarf wurden Maschinensätze als Kraft- un Lichtquelle hergestellt, besonders auch für Scheinwerfer. Nach dem Kriege machte man sich die Erfahrungen zunutze und baute Maschinensätze für Hauszentralen, die sich auch als Exportartikel bewährten. Siemens Zeitschrift Mai/Juni 1925: "Die Siemens - Hauszentrale". Von Ing. Walter Kraus der S.&.H. A.-G. Wienerwerk und Ing. Hans Löwl der Öst. SSW Wien:
"Landhäuser, einsame Gutshofe, Hotels und Wohnhäuser in kleinen Ortschaften, die weitab von den Straßen der Elektrizitätsversorgung liegen, können an elektrische Kraftzentralen häufig nicht angeschlossen werden, weil sich die Kosten für den Leitungsausbau zu hoch stellen würden. Eine Nachfrage nach Kleinzentralen besteht besonders im östlichen Europa und in den überseeischen Ländern. Die "Siemens-Hauszentrale" bietet die Möglichkeit, elektrische Beleutung und Kraft im eigenen Hause jederzeit verfügbar zu haben. ... Die "Siemens-Hauszentrale" besteht aus einem Viertaktmotor mit Dynamo und einer Akkumulatorenbatterie. Die Antriebsmaschine ist ein luftgekühlter Benzin- oder Petroleummotor, an den eine 4polige Gleichstromdynamo von etwa 1,5 kW Leistung angeflanscht ist. Auf dem Gehäuse ruht ein Schaltkasten,der in völlig verdeckter Anordnung die Steuerorgane für den elektrischen Betrieb enthalt.
Der Antriebsmotor ist eine Einzylinder-Maschine von etwa 3 PS Dauerleistung. Die Zylinderabmessungen sind: Bohrung 70 mm, Hub 100 mm. Die zur Kühlung der Maschine notwendige Luft liefert ein kräftiger, auf der Kurbelwelle des Motors sitzender Ventilator. Die Kühlluft wird durch die Dynamo hindurch angesaugt und an den Wandungen des Zylinders vorbei oben aus dem Motor ausgeblasen.
Der "Siemens-Hauszentrale" wird ein mit Werkzeugen und Ersatzteilen versehener tragbarer Kasten beigegeben, den das Bild in geöffneter Zustand zeigt. Die Auswahl der Werkzeuge wurde so getroffen, daß die dem Verschleiß unterliegenden Teile des Maschinensatzes ausgebaut und leicht ersetzt werden können. Der Betrieb des Motors mit Lampenpetroleum wird durch die Anbringung einer Zusatzeinrichtung, bestehend aus einem Anlaßbenzingefäße, einer besonderen Benzinanschlußdüse im Vergaser und einem Luftvorwärmer samt Zuleitung für die Verbrennungsluft möglich. Der Brennstoffverbrauch des Maschinensatzes ist bei Verwendung von Benzin etwa 600 bis 620 g für die erzeugte Kilowattstunde, hingegen bei Lampenpetroleum etwa 650-700 g für die erzeugte Kilowattstunde.Für den Betrieb von Kinos, die Beleuchtung von Baustellen, das Laden von Akkumulatorenbatterien usw. können die Maschinen mit Nebenschlußgenerator für 1½ kW Leistung bei 65 V oder 110 V versehen werden. Die Schalttafel samt erforderlichen Meßgeräten, Schaltern, Sicherungen und Nebenschlußregler wird getrennt vom Aggregat angeordnet." Siemens-Zeitschrift Februar 1931: "Neuere Entwicklungen der Siemens-Hauszentralen", von Walter Kraus, Obering. im Wienerwerk der S & H AG: ![]() "Der Einzylinder-Maschinensatz Bauform LM22, der eine Leistung von 1,5 kW hat, ist unter Beibehaltung der Preßluftkühlung und der bewährten Steuerungsanordnung erheblich verbessert worden. Das Bild zeigt den Maschinensatz mit aufgebautem Schaltkasten, der in Verbindung mit einer Akkumulatorenbatterie betrieben wird. Der Einbau der nach Patenten von Dr. Hirth durchgebildeten zerlegbaren Kurbelwelle ermöglicht die Verwendung eines Rollenlagers für die Pleuelstange. Eine wesentliche Vereinfachung des Motors wurde durch die Schmierung mittels Schleuderrad erreicht, das die Ölpumpe ersetzt. Die günstige Form des Kurbelgehäuses und dessen Anordnung auf einer besonderen Grundplatte, ferner die Ausbildung des Generatorankers als Hülsenanker mit flachem Konus, der sich bequem auf die verlängerte Kurbelwelle aufschieben läßt, ergaben eine gedrängte Bauart der ganzen Maschine und ein vermindertes Gewicht. Der Fliehkraftregler zur Konstanthaltung der Drehzahl wurde auf der verlängerten Nockenwelle angeordnet und ermöglicht die Einstellung verschiedener Drehzahlen während des Betriebes. Der Schaltkasten, der die Geräte für Batterieladung und für direkte Netzspeisung umschließt, erhielt eine gefälligere Form, die sich dem Aufbau der Maschine organisch anpaßt. Zum Schutze des Stromwenders wurde der Generator mit einer leicht abnehmbaren Schutzhaube aus gelochtem Blech versehen. Die Gleichstromerzeuger werden, wie bei der früheren Ausführungsform, für 32/45, 65/92 und 115 bzw. 220 V bewickelt."
Der einzylinder luftgekühlte Viertaktmotor hatte einen Bohrung und Hub von 70 x 100 mm (385 cm3) und leistete 3 PS bei 1500 U/min. Die Batterie konnte in 4-5 Stunden völlig geladen werden. Preise in 1934:
Siemens-Zeitschrift Februar 1931: "Neuere Entwicklungen der Siemens-Hauszentralen", von Walter Kraus, Obering. im Wienerwerk der S & H AG: "Die Verwendung von Akkumulatoren wird in Verbindung mit Kleinzentralen häufig abgelehnt, weil die Ansicht besteht, daß die Wartung der Zellen besondere Kenntnisse und Sorgfalt erfordert. Die Verminderung der Wirtschaftlichkeit gegenüber einer mit Akkumulatoren arbeitenden Kleinzentrale wird mit dem Hinweis in Kauf genommen, daß die Ersparnis der Anschaffungskosten durch Fortfall der großen Batterie erst nach langer Zeit ausgezehrt wird. ![]() Um auch dieser Ansicht, die unter der Voraussetzung einer vorwiegend starker Netzbelastung berechtigt ist, nachzukommen, wurde eine selbsttätig arbeitende Hauszentrale [LM30] für 1,5 kW durchgebildet, die ohne Kapazitätsbatterie arbeitet(Patente und Gebrauchsmuster angemeldet). Es ist lediglich eine kleine Anlaßbatterie vorgesehen, mit der die Maschine beim Einschalten der ersten Stromverbrauchers im Netz in Betrieb gesetzt wird. Die Generatorspannung dieser Anlage ist 115 V. Das Bild zeigt die Maschine, deren Aufbau der obenbeschriebenen Bauform LM22 ähnlich ist. Ein besonderes Merkmal stellt die Anlaßmaschine dar, die über der Fußplatte des Motors erkennbar ist. Das Ritzel der Anlaßmaschine greift beim Anlaßvorgang in die Verzahnung des Schwungrades ein. .... Der Anlaßvorgang wird durch Betätigung eines der im Netz beliebig verteilten Druckknöpfe eingeleitet, nachdem der erste Stromverbraucher (Lampe, Bügeleisen usw.) eingeschaltet ist. .... Um zu verhüten, daß ein Druckknopf betätigt wird, ohne daß ein Stromverbraucher im Netz eingeschaltet istund hierdurch ein nutzloser Anlaßstoß erfolgt, sind Schalter und Druckknopf zwangläufig verbunden, so daß dieser nur bei eingeschaltetem Stromverbraucher betätigt werden kann. Eine Anzahl derartiger Schalter wird jeder Maschine mitgegeben. Selbstverständlich sind auch normale Schalter und getrennt angeordnete Druckknöpfe verwendbar, so daß die selbsttätigen Zentralen keine Einschränkungen in ihrem Betrieb erfahren. Es würde zu weit führen, hier die Vorteile zu behandlen, die durch Anordnung einer gesonderten Steuerleitung erzielt werden. Während bei den nichtselbsttätigen Zentralen der Brennstoff dem Vergaser aus einem hochgelagerten Behälter nach dem Gesetz der Schwere zufließt und die Absperrung durch einen Hahn geschieht, bedingt die selbsttätig arbeitende Anlage einen Unterdruckförderer. Dieser saugt den Brennstoff aus dem Lieferfaß an, sobald die angelassene Maschine diesen zum Betrieb benötigt. Das Anwendungsgebiet der selbstgesteuerten Zentrale findet durch die Versorgung von verstreut angeordneten Leuchtfeuern für Nachtflugstrecken, bei denen der Betrieb der Maschine durch eine im Leuchtturm eingebaute Schaltuhr eingeleitet oder beendet wird, eine wesentliche Erweiterung. Ferner ist die selbsttätige Zentrale mit bestem Erfolg für Notbeleutungen einzusetzen, bei denen sie mittels eines Spannungs-Rückgangrelais in Betrieb kommt, sobald der Hauptgenerator ausfällt."
Die Hauszentrale LM30 hatte ein Gewicht von 225 kg, 1934 war der Preis 1900 Reichsmark. Eine 12 V Anlasserbatterie konnte zum Mehrpreis von 72 RM mitgeliefert werden.
![]() Siemens-Zeitschrift Februar 1931: "Neuere Entwicklungen der Siemens-Hauszentralen", von Walter Kraus, Obering. im Wienerwerk der S & H AG:
"Neue Verwendungsgebiete für die Sätze wurden durch den Anbau von Wechselstromgeneratoren eröffnet. Zur Erzielung gedrängtester Bauart wird deren Erregermaschine über dem Hauptgenerator auf einer federnden Wippe angeordnet. Das Bild zeigt einen Wechselstromstaz für 1,5 kW. Maschinen dieser Bauart eignen sich zur Stromlieferung für Kabelprüfeinrichtungen, für Kraftstellwerke im Eisenbahn-Sicherungswesen, u. ä.
Spannung 125 oder 220 V, 50 Hz, mit Wandschalttafel, Gesamtgewicht 240 kg, Preis 2130 Reichsmark (1934).
![]() Der Siemens LM22 wurde auch als tragbare Batterielader geliefert durch dem Wernerwerk F (F = Fernemeldetechnik) von Siemens & Halske AG in Berlin-Siemensstadt. Der Siemens-Schuckert Generator VG56n leistete 0,12 - 1,5 kW, 24 - 86 V DC, 17,5 - 25 A. Der Stromregler wurde mitgeführt in einer Holzkiste, welche ebenso die Kabeln und das Motorwerkzeug faßte. ![]() Siemens LM22 Motor Nr. 27472. Dieser Motor ist im Besitz von Motorensammler Günther Werner. Das Foto ist im interessanten Buch Deutsche Stationär-Motoren von Armin Bauer, lieferbar durch seinem Schwungradversand. ![]() Diese Siemens LM22 Generator, Nr. 27586B aus 1939, befindet sich in meiner Sammlung. Er wurde am 25. Mai 1939 von Siemens & Halske neu verkauft am Postamt in Schmölnn, Thüringen. Gesamtgewicht ist 252 kg, Ich kann aus eigenem Erfahrung bestätigen, daß man 4 Mann zum Tragen benötigt! ![]() Dieser Siemens LM22, Nr. 27784B, ist zu sehen im Auto- und Technikmuseum Sinsheim. ![]() Und dieser Siemens LM22 befindet sich im Luftfahrt- und Technik-Museumspark Merseburg. Weiter nach Siemens Hauszentralen -- LM4 | |||||||
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