
Schon früh hatte man bei Siemens mit der Herstellung von Verbrennungsmotoren begonnen, die im sogenannten "Blockwerk" der Abteilung für Eisenbahn-Sicherungswesen von Siemens & Halske eingerichtet wurde. Unter Assistenz des Braunschweiger Unternehmens Büssing --mit denen man seit vielen Jahren zusammenarbeitete-- wurde zuerst ein Bootsmotor mit 34 PS Leistung entwickelt und in sieben Exemplaren hergestellt. Sie bewährten sich in zahlreichen Regatten, was dazu führte, daß man die Produktion nicht nur fortführte, sondern sogar eine Bootsabteilung einrichtete und schließlich Boote mit Benzin- oder Elektromotor oder auch benzin-elektrischer Antrieb herstellte.
Ausschnitt einer Anzeige aus 1907, des Automobilwerks Nonnendamm der Siemens-Schuckertwerke.

Der 15 t Zugwagen aus 1905 trug einen 70 PS Bootsmotor, der eine 50 kW Doppeldynamo trieb. Mit ihm gekuppelt waren 5 Anhänger zu je 3 t Nutzlast, von denen jeder, ebenso wie die Zugmaschine selber, einen Antrieb durch 2 Elektromotoren mit doppeltem Vorgelege hatte. Diese 12 gleichartigen Motoren wurden von dem Dynamo des Zugwagens gespeist.
Im Jahre 1907/08 wurde neben dem Elektromobilbau der Bau von Fahrzeugen mit gemischtem und reinem Verbrennungsmotorenantrieb im Automobilwerk aufgenommen.
Die Übernahme der Motorenfabrik Protos durch Siemens-Schuckert erfolgte Ende 1908 unter gleichzeitiger Aufgabe des Werkes in Reinickendorf. Die Produktion wurde im Automobilwerk Nonnendamm konzentriert. Für das neue Unternehmen engagierte man Dr. Ernst Valentin als Konstrukteur, der Vorher bei Gobron-Brillié, Nagant und der Berliner Motorenwagen-Fabrik tätig gewesen war. Die Name Protos zog mit in das neue Werk ein und wurde als Markenname beibehalten, gehörten Wagen dieses Fabrikats doch zur "ersten Garnitur".
Im weiteren Verlauf entstand dann auch der erste Automobilmotor, mit 6/14 PS Leistung, der für das Protos-Modell G1 verwendet wurde.
Der bereits 1912 für Protos-Personenwagen hergestellte B-Motor von 14/38 PS wurde einem Bedürfnis der Kriegs- und Schiffsbautechnischen Abteilung der Siemens-Schuckertwerke entsprechend umgebaut und es wurden davon 1913 - 1917 für Scheinwerfer-Aggregate und Bootszwecke 78 Stück geliefert.
Zitat aus "Nachrichten der Siemens-Schuckertwerke GmbH und der Siemens & Halske Aktiengesellschaft 1913", Berlin 1913:
".... Einen weiteren Fabrikations-Zweig bilden die Elektromobile und Spezial-Fahrzeuge für die Heeres-Verwaltungen in den verschiedensten Ausführungen wie schnellfahrende Panzer-Kraftwagen, Beleuchtungswagen usw., ferner die bekannten Protos-Bootsmotoren, Bootswendegetriebe und die Lieferung von kompletten Booten mit Antrieb durch reine Benzin- oder Elektro-Motoren."
(Andreas Ledetsch vielen Dank für die Kopie!)
Siemens C 10/30 (1913-1924) als Bootsmotor mit stehenden Ventile und Wendegetriebe.
Bild: eingereicht.
Siehe auch Siemens Automobilmotoren.
Erhaltene Motoren
"Habe einen Bootsmotor gefunden, ist wirklich sehr schön. Ist wohl der 10/30 PS Protos-Motor. Das Kurbelgehäuse ist identisch dem Nachfolger Protos 10/45 PS."
Steffen Schmieder, Dresden, 22 Nov. 2019.
Siehe auch Siemens Automobilmotoren.
Siemens Bootsmotor 99126, Type 1E44, Nr. 12332 mit Freilaufkupplung. Vierzylinder, Bohrung 70 mm, Hub 100 mm. Wahrscheinlich einen E4-Motor mit 6/30 PS.
Bilder: eingereicht.

Siemens Bootswendegetrieben.
Bildern: eingereicht.

Notstromaggregat angetrieben von U-Boot Dieselmotor. Jahr: 1940-41. Eingebaut im Gasometer Fichtestraße, Berlin. Foto: Berliner Unterwelten e.V.
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