Viele Bungartz Einachsschlepper der Typen U1D und L5S, sowie die Traktoren T3 hatten einen Stihl Zweitakt Dieselmotor.Diese wurde bereits ab 1948 auch im eigenen Stihl Traktor verbaut, siehe www.stihldiesel.de. Der Fabrikant war Andreas Stihl, Maschinenfabrik in Waiblingen - Neustadt / Württ.Der Anfang der Motorenfertigung
Die Entwicklung der neuen --gegenüber der Motorsägen deutlich größeren-- Motoren verlief nicht völlig problemlos. Bei den ersten Versuchen kam es zu einem gefährlichen Zwischenfall. Beim Erstlauf ging der Motor auf Grund von Ölverlusten in der Drehzahl durch. Das heißt, er hat die vorgesehenen 2000 Umdrehungen pro Minute weit überschritten. Er ist dann explodiert und der Zylinderkopf ist durch das Dach gesaust und hat dort ein Loch hinterlassen. Die Zuschauer, darunter Sohn Hans Peter Stihl, waren zum Glück schon etwas entfernt von dem Ding. Denn als der Motor anfing zu heulen, waren sie schleunigst alle rausmarschiert!
Und es gibt noch eine andere Anekdote: Wenn Andreas Stihl von seinem Jägerstammtisch nach Hause kam, dann hat er häufig noch einen kurzen Besuch auf dem Dauerlaufprüfstand gemacht und ausprobiert, wie viel höhere Drehzahlen der Motor aushält. Das endete in der Regel in einem Abrupten Verstummen des Lärms. Weil die Familie Stihl quasi in Nachbarschaft von diesem Dieselmotorenprüfstand lebte, hat sie es als erfreuliches Ereignis empfunden, wenn der Lärm um Mitternacht plötzlich verstummte. Aber es war entwicklungstechnisch fatal, was der Herr Papa da gemacht hat, denn er stellte die ganzen Versuchsergebnisse immer wieder in Frage, wenn er in weinseliger Stimmung an den Motoren herumgeschraubt hat. Im Übrigen machte er sich dabei auch sein Gehöhr kaputt, denn in den Prüfständen war es natürlich furchtbar laut, und er ging immer ohne Ohrenschützer hinein. In 1949 wurde der geplante Leichttraktor fertig. Besonders interessant war der luftgekühlte Einzylinder-Zweitakt-Dieselmotor, ein kleines Kraftpaket, das zunächst 12 PS, später 15 PS leistete bei einer Höchstdrehzahl von 2000 Umdrehungen pro Minute. Entwicklungskosten sowie Vorrichtungen und Werkzeuge für den Bau des Schleppers belasteten aber das Unternehmen ungemein, Sparappelle waren notwendig. Geld kostete zudem ein dreistockiger Neubau, der die Schlepperfertigung aufnehmen sollte. Das Unternehmen kam in eine gefährliche Krise. Bei den Schleppern stockte der Absatz wegen Reklamationen: die Motoren machten Schwierigkeiten. Es lag, wie sich rasch herausstellte, an den Ölpumpen. Zwei Monate dauerte es, bis das Problem gelöst war. Während dieser Zeit rollte kein neuer Schlepper vom Hof. Erst Ende 1951 wurde das Vergleichsverfahren von dem Amtsgericht Stuttgart-Bad Cannstatt wieder aufgehoben.
ErweiterungenDaneben wurden Dieselmotoren als Einbaumotoren an die unterschiedlichsten Abnehmer geliefert. Viele Stihl-Motoren wurden von der Firma Bungartz, München auf den Einachsschleppern U1 und L5, sowie im Traktor T3 verwendet. Das Metallwerk Creussen / Ofr. in Nürnberg lieferte seinem Unitrak mit Stihl-Dieselmotor. 1953 lieferte das Ursus-Traktoren-Werk GmbH in Wiesbaden seinen Traktor C10 mit Stihl Dieselmotor. Außerdem verkaufte Stihl die Motoren in Verbindung mit einem Generator als Stromerzeuger. Nicht nur im Inland, sondern auch ins europäische Ausland konnten die Motoren abgesetzt werden. In Österreich wurden die Motoren beispielsweise in der kleine Landmaschine Austro-Rapid der Firma Vogel & Noot eingebaut. In Südtirol trieben sie Lastenaufzüge zu Bauernhäusern auf den Bergen an, und in Frankreich verbaute die la Compagnie Générale de Mécanique in Soissons für die Société Française Vierzon den Stihl-Motor 131B in ihrem Traktor CGM 141. Gute Geschäfte machte die Maschinenfabrik mit den Dieselmotoren auch in Argentinien. 1955 besuchte Alberto Creus, ein Importeur aus Buenos Aires, Neustadt, und besichtigte die Fertigung. Allem Anschein nach war er von der Produktion und den Produkten beeindruckt, denn ein Jahr später schickte er einen Großauftrag. Insgesamt 400 Zweizylinder-Dieselmotoren gingen in den folgenden Monaten per Schiff nach Südamerika. Später bezog Creus nicht nur Motoren, sondern auch Motorsägen. Im Jahr 1958 wurde ein neues Verwaltungsgebäude fertig. Das Benzinsägengeschäft bedürfte eines neuen Schubs. Führende Mitarbeiter drängten Andreas Stihl, eine Motorsäge mit Direktantrieb zu entwickeln. Die Neigungen des Firmenchefs galten in dieser Zeit aber weniger den Sägen, sein Herz hing mehr an den Schleppern und den Dieselmotoren. Später ließ er sich dann doch überzeugen. Das Ende der Schlepper- und Motorenfertigung
Der Zweitaktmotor, der auch an verschiedene Traktorenhersteller geliefert wurde, zeigte sich im Dauerbetrieb als eine sehr anfällige Konstruktion und schädigte vorübergehend den Markenruf der Firma Stihl. Auch das aus dem Auspuff mitgeführte, unverbrannte Schieröl --besonders im oberen Drehzahlbereich-- fand nicht überall die ungeteilte Zustimmung der Landwirte. Darum konnte im Traktor S20 ab 1959 wahlweise den eigenen Zweizylinder-Zweitaktmotor mit 20 PS oder einen gleichstarker MWM-Zweizylinder-Viertaktmotor mit Luftkühlung eingebaut werden.
Im Jahre 1964 hat Dr. Ing. Seifert vom Institut für Schlepperforschung der FAL in Braunschweig-Völkenrode zur Frage der Zweitakt-Motoren in Ackerschleppern folgende Stellungnahme abgegeben: "Es ist bekannt, daß beim Zweitakter Möglichkeiten zu größerer Hubraumleistung und zu größerer Einfachheit als bei Viertaktern vorhanden sind. Diese Merkmale treten aber selten gemeinsam auf. Bei großer Einfachheit ist die Hubraumleistung den Viertaktern meist nicht überlegen, und wenn die Hubraumleistung durch besondere Maßnahmen erhöht wird, ist der Zweitakter nicht mehr einfach." Nachdem die großen Schlepperhersteller den Markt wieder vollständig beliefern konnten, geriet Stihl, abgesehen von den zusätzlichen Problemen mit dem Motor, unter zunehmenden Konkurrenzdruck. Schon Mitte der 1950-er Jahre wurde Andreas Stihl gedrängt, die Fertigung der Traktoren einzustellen. Er antwortete damals: "Wenn sie mir dieses Spielzeug wegnehmen, dann höre ich auf". Wenn dann aber in 1963 jeder verkaufter Schlepper 500 Mark Verlust brachte, ließ sich der Senior überreden, die Traktorenfertigung zugunsten der sich wieder günstig entwickelnden Kettensägenherstellung aufzugeben. Auf das Foto ist die Wehmut Andreas Stihl anzusehen. Zwei Jahre nach der Schlepperherstellung wurde in 1965 auch das Geschäft mit den Dieselmotoren aufgegeben. Die Motortypen
Stihl 130, 1948 - Oktober 1950 633 cm³, Bohrung x Hub: 82 x 120 mm. 12 PS bei 2000 U/min.
Das Bild zeigt den Stihl Dieselmotor 130, eingebaut im Stihl Allzweck–Bauernschlepper Typ 140, gebaut ab 1948.
Die Fotos zeigen den Stihl 131 Nr. 1639, eingebaut in meinem Bungartz U1D von 1952. ![]() Den Stihl-Dieselmotor gab es ab 1959 auch in Zweizylinderausführung, zum Einbau im Traktor S20 (Typ 383). 1530 cm³, Bohrung x Hub: 90 x 120 mm. 1953 ? - 1965 ? 20 PS bei 1900 U/min.
Das Bild zeigt den Traktor S20 mit Zweizylinder Stihl-Motor, erkennbar am Ansaugrohr zwischen Luftfilter und Kurbelgehäuse. Mehr bekannt wurde diesen Traktor aber mit dem MWM-Motor AKD10Z.
Hier eingebaut in einem Austro-Rapid Einachser aus dem Jahre 1955, gebaut von Vogel & Noot, Wartberg/Mürztal, Stmk., Österreich. Informationsquellen
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© 2008 Michiel Hooijberg, Bungartz.nl. |