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Siemens Bodenfräsen Geschichte

Einstieg in der Landwirtschaft

plaatje plaatje Eine der ältesten und ihrem Umfange nach größten der menschlichen Arbeitsleistungen ist die alljährlich periodisch wiederholte Aufbereitung der vielen Millionen Quadratkilometer Kulturboden der Erde durch Pflügen, Eggen, Walzen und Hacken. Wen wundert es, daß der Mensch sich recht frühzeitig nach einem Helfer bei dieser Arbeit umsah und in vielen Länder noch heute den Hauptteil durch das Zugtier bewältigen läßt, und daß ferner fast jeder Fortschritt in der Nutzbarmachung von Naturkräften auch den Versuch zu ihrer Anwendung bei der Bodenbearbeitung ausgelöst hat. Kaum trieben die ersten schwerfälligen Dampfmaschinen mit ihrem großen Balanciergestänge die Wasserpumpen englischer Bergwerke, kaum durcheilten die ersten Dampfschiffe die Gewässer, versuchte man auch schon, das Dampfroß zum Ziehen des Pfluges zu verwenden.

Die Möglichkeit die Dampfmaschine zu verwenden, wurde aber immer beschränkt durch ihr großes Gewicht und die Notwendigkeit des Wasserzuführung. Der an sich, d. h. seinen Betriebseigenschaften nach, für diese Zwecke hervorragend geeignete Elektromotor litt unter dem Gebundensein an die Stromzuführungskabel.


Highslide JS Das weltweit bekannten Elektro- und Technikunternehmen Siemens & Halske, Berlin, hat mit großen Einsatz auf dem Gebiet des landwirtschaftlichen Zugmaschinenbaus gearbeitet und dabei einige bemerkenswerte Konstruktionen hervorgebracht. Am Anfang stand dabei, wie konnte es bei dem von Werner von Siemens gegründeten und lange geleiteten Unternehmen anders sein, der Elektromotor, den er für die motorische Bodenbearbeitung nutzbar machen wollte. Als durch Werner von Siemens die Umformung mechanischer Arbeit in elektrische Energie und umgekehrt im Großen möglich geworden war, hatte er selbst bereits zusammen mit der Firma Zimmermann in Halle den Elektromotor zum Ziehen von Pflügen benutzt. Und jedesmal, wenn eine neue Art von Verbrennungsmotoren geschaffen, verbessert und in leichterer Ausführung erhältlich war, wurde flugs versucht, sie für Bodenbearbeitungszwecke nutzbar zu machen.

Sein Vorschlag lief auf die Entwicklung eines Elektropfluges hinaus, der von dem Werk im ausgehenden 19. Jahrhundert tatsächlich im Einmaschinensystem, wie auch im Zweimaschinensystem ausgeliefert wurde. Die Maschinen arbeiteten nach dem von den Dampfpflügen her bekannten Verfahren. Von einem oder zwei zeitweise stillstehenden Maschinenwagen, mit durch Elektromotor angetriebener Seilwinde, war an einem mehr als 100 m langen Stahlseil ein Kipp-Pflug über den Acker hin und her zu ziehen, wonach ein Maschinenwagen jeweils um eine Pflugarbeitsbreite vorrückte. Diese Elektropflüge waren allerdings vor dem Ersten Weltkrieg nicht erfolgreich gewesen. Die Maschinensätze erwiesen sich in der Anschaffung als zu teuer und blieben auf die Versorgung mit elektrischem Strom durch ein bewegliches Kabel, besser gesagt durch eine Nabelschnur, wie die elektrischen Rasenmäher heute, aus einer "Kraftsteckdose" angewiesen, die es zumeist auf dem Lande damals aber noch nicht gab. Sie waren also, kurz gesagt, zu teuer und zuwenig flexibel.

plaatje Entsprechend mußten die Siemenswerke erkennen, daß sie mit dem Elektropflug zwar auf ein technisch reizvolles, in der Praxis aber nicht wirtschaftlich einsetzbares Bodenbearbeitungssystem gesetzt hatten. In Anbetracht des massiven Mitteleinsatzes schmerzte denn auch der Ausstieg aus der Technologie sehr, doch Nichtabsetzbares zu produzieren, war auch damals schon nicht Sache von Siemens.

1903 gründete Siemens durch Zusammenschluss der Schuckert & Co. mit den Starkstromabteilungen von Siemens & Halske die Siemens-Schuckertwerke. 1904 wurde von Alfred Sternberg die Motoren-Fabrik Protos GmbH gegründet. Da Protos technisch sehr gut durchdachte Autos baute (z.B. 1908 siegte eines in dem legendären New York-Paris Race), kaufte Siemens-Schuckert die Fabrik 1908. Wer etwas zu sagen hatte, fuhr Protos-Autos, so auch Kaiser Wilhelm II (siehe Foto). 1913 war der Protos das erste Auto mit Elektro-Anlasser, wie konnte es auch sonst beim Siemens-Konzern anders sein! Nach dem Ersten Weltkrieg konzentrierte Siemens sich auf dem Bau nur eines populären Modells. 1926 stellte man aber die Automobil-Produktion wegen der schlechte ökonomischen Verhältnisse Deutschlands ein, insgesamt wurden 25.000 Autos gebaut. Protos wurde an N.A.G. = Nationale Automobil Gesellschaft verkauft, welche unter den Namen NAG-Protos bis 1927 einige Personenwagen baute. Die A.E.G. kaufte die N.A.G. und erwarb Protos 1927. Der Markenname Protos wurde von Siemens weiterhin für Haushaltsgeräte benutzt.

Alternative Ideen

plaatje Bei Siemens wollte man das Kapitel "Motorisierung der landwirtschaftlichen Außenwirtschaft" nicht klanglos beenden. Da fügte es sich gut ein, daß um 1912 der Schweizer Ingenieur Konrad von Meyenburg bei den Siemens-Schuckert-Werken (SSW) in Berlin vorsprach, um eine von ihm entwickelte Motorfräse vorzustellen. Den Verantwortlichen bei SSW gefiel Meyenburgs Idee, einen Selbstfahrer mit Frästrommel die Arbeit ausführen zu lassen, die bislang den gespanngezogenen Pflügen übertragen war. So erwarb man das Patent und begann Versuche, die noch vor dem Ersten Weltkrieg zu einer von einem Elektromotor angetriebenen Fräse und zu einer Benzinmotorfräse führten.

Am besten eingeführt in der Landtechnik hat sich der im wahrsten Sinne "automobile" Verbrennungsmotor, da er einen genügenden Energievorrat mitzuführen vermag, obgleich die geringe Elastizität, sowie eine nicht geringe Empfindlichkeit gegen Staub, und erhebliche Ansprüche an die Bedienung lange Zeit hindurch sehr fühlbare Hindernisse bildeten. So ist es dann erst in den zwanziger Jahren gelungen, den Verbrennungsmotor für die hohen Dauerbelastungen des Pflugbetriebes genügend widerstandsfähig zu machen. Dies indem besonders die Wärmeabführung aus den höchst erhitzten Teilen vom Zylinderkopf und Kolbenboden verbessert wurde und nachdem durch Filtrierung der Ansaugluft den gefährlichen Schmirgelwirkungen in den Zylindern einigermaßen gegengesteuert wurde. Bald schon zeigte sich die Benzinfräse der Elektrofräse wegen ihrer Einfachheit und größeren Beweglichkeit überlegen.

Werkzeuge

Wenn die Anpassung der Motoren für diese Aufgaben somit Ende der zwanziger Jahre als gelungen angesehen werden konnte und genügend Motoren zur Verfügung standen, so war es doch von jeher die Frage, mit welchem Werkzeug die motorische Kraft auf den Boden übertragen werden sollte, und wie man mehr Kraft in technologisch nützlicher Weise auf den Boden würde abbringen können.

plaatje plaatje Die Übertragung der Kraft des schwingenden Armes geschieht mittels Hacken und Spaten verschiedenster Art und Form. Diejenige des gradlinig schreitenden Zugtieres durch hakenförmige Instrumente, wie Grubber, Eggen, Kultivatoren, die in Kombination mit Gleitflächen unsere heutige Pflüge ergaben. Die Übertragung der Motorkräfte knüpfte -- wie stets in der Technik -- naturgemäß zunächst an eben diese bekannten Organe, den schwingenden Spaten und den gezogenen Pflug, an. Aber die Schwierigkeiten, die hierbei auftauchten, waren ganz unerwartet groß. Sie lagen darin, daß genügend leichte Motoren hohe Umlaufsgeschwindigkeiten erzielen mussten, also mit kleinen momentanen Kräften auf langem Wege ihre Leistung erlangen sollten, während die schwingenden Grabgabeln, Spaten und die Pflugkörper nur geringe Schnittgeschwindigkeiten von 1 - 2 m/s erreichen konnten. Darum mußten zwischen Motor und Werkzeug vielhundertfache Übersetzungen ins Langsame eingebaut werden, die sich zudem, wegen der unvermeidlichen Stöße und unberechenbaren Höchstbeanspruchungen, z. B. beim Auftreffen auf Steine, oft als unzuverlässig und wenig dauerhaft erwiesen. Dazu kam, daß das ziehende Rad der Lokomotive bzw. des Schleppers sich wohl auf den Schienen eingeebneter Bahnkörper und auf befestigter Straße bewährte, sich aber auf dem unebenen, je nach Witterung bald harten oder lockeren, mal weichen und schmierigen, dann krümeligen oder plastischen Ackerboden durchaus nicht als leistungsfähig erweisen sollte.

So geschah es, daß man bald riesengroße, bald überaus breite Räder mit den verschiedensten Armierungen von auswechselbaren oder verstellbaren Greifern wählen mußte, um die Fortbewegung der Maschinen unter verschiedenen Arbeitsbedingungen einigermaßen sicherzustellen. Soviel Geist und Mittel auf die Lösung dieser Aufgabe verwendet worden war, soviel man beispielsweise durch den komplizierten Vierradantrieb oder durch Verwendung von Raupenketten (wie bei Tanks) im einzeln auch erreicht hatte, so konnte diese Aufgabe Anfangs der zwanziger Jahre nicht als völlig gelöst betrachtet werden. Einmal waren diese Anordnungen mehr oder weniger kostspielig im Betrieb, und dann blieb ihr grundsätzlicher Mangel bestehen, daß die Adhäsion mitbedingt wurde durch das genügende Eigengewicht des Schleppers, während anderenseits der Boden, der durch das Ackerwerkzeug gelockert werden sollte, durch das schwere Schlepperfahrzeug zusammengepreßt und obendrein durchknetet und unter Umständen dabei geschädigt wurde. Der Wirkungsgrad solcher Schlepper betrug dann auch durchschnittlich nicht mehr als 40 - 60 %, so daß rund die Hälfte der aufgewendeten Energie hauptsächlich für die Fahrarbeit verschwendet werden mußte.

plaatje Infolgedessen hat man seit Jahrzehnten nach anderen Werkzeugen gesucht und nach dem Satz "der Motor hat mit dem Pfluge so wenig zu tun, wie das Pferd mit dem Spaten", im Sinne des Hartwigschen Gesetzes vom Gebrauchswechsel eine Mutation des Pflughakens versucht, die folglich nur in Richtung eines verhältnismäßig rasch umlaufenden Rotationswerkzeuges liegen konnte. Wenn man solch ein Werkzeug im Sinne der Drehbewegung der Schleppräder umlaufen läßt, so wird die Reaktion des Bodenwiderstandes für die Fahrbewegung der Maschine nutzbar, und es ergibt sich ein neues Arbeitsmittel, die "Bodenfräse". Diese dreht sich jedoch zum Unterschied zu ihren Namenschwestern für Holz- und Metallbearbeitung nicht entgegen, sondern mit der Spanrichtung. Es versteht sich, daß auch die Angriffsweise dieses neuen Werkzeuges im Einzelnen der Besonderheit des Werkstückes "Ackerboden" angepaßt werden mußte, und es zeigte sich bald, daß die Verwendung keilförmig angeschärfter Messer wenig befriedigte. Diese wurden zwangläufig durch die durch den Boden geführten Schnittkanten mehr oder weniger rasch stumpf und außerdem entstanden bei der großen Schnittwegen große Schnittwiderstände. Ferner trat bei Feuchtigkeit ein Verschmieren des Bodens an den Schnittflächen ein, das bei nachfolgender Austrocknung höchst ungünstige Lebensbedingungen für die Pflanzenwurzeln ergab.

Überhaupt ist ja beim Bodenfräsen nicht das Werkstück Erde, sondern die Struktur der abgehobenen Späne, der Bodenkrümel, das Wesentliche und Entscheidende, und es hat lange gedauert, bis eine diesen Verhältnissen wirklich sinnvoll angepaßte Fräswerkzeugform gefunden war. Dieser bestand aus einem hakenförmig gekrümmten Stahldraht, der ohne eine schneidende Kante mit seiner Spitze in den Boden eindringend, ihn in der Richtung seiner geringsten Widerstandsfähigkeit, nämlich unter Zugbeanspruchungen, absprengt und auf seinem weiteren Wege wühlend zerkrümmelt, ähnlich wie das die spitze tierische Kralle bei Grabbewegungen des Hundes, Maulwurfs usw. bewirkt. Aber diese Tierkrallen sind insofern noch besonders vollkommener, als sie elastisch nachschleppend den Weg des geringsten Widerstandes im Boden suchen. So war es erforderlich, auch den Stahldrahtfräshaken irgendwie elastisch nachschleppend durch den Boden zu führen, nach Angabe und Patent des Schweizer Ingenieurs von Meyenburg.

plaatje Die ersten Werkzeuge dieser Art bei Erwerb der Lizenz durch die Siemens-Schuckertwerke wurden aus etwa 6 mm starken Drähten hergestellt und saßen auf mehrfach gewundenen Spiralfedern. Wie ersichtlich, ist eine größere Zahl solcher Einzelwerkzeuge auf der rotierenden Welle zur Frästrommel zusammengefaßt. Der Erfinder verfolgte den Gedanken, daß jeder Haken bei der Rotation und beim Auftreffen auf unüberwindliche Hindernisse, wie Steine, sich in den Schutzkreis der Nachbarfedern zurückziehen konnte und so vor Beschädigungen bewahrt bleiben sollte. Bei dem erheblichen Federweg, der dazu erforderlich war, mußte möglichst viel arbeitendes Material in der Feder angehäuft werden. Anderenseits ist der verfügbare Platz beschränkt. Die Werkzeuge müssen spiralig über den Trommelumfang versetzt werden, leicht auswechselbar sein. Die absolute Größe der Maulöffnung der Haken war an gewisse Grenzen gebunden, die Umfangsgeschwindigkeit nach Maßgabe der Widerstandsmessungen auf etwa 6 m/s begrenzt, kurz -- die Schwierigkeiten der konstruktiven Unterbringung waren außerordentlich groß. Die Möglichkeit, ein Werkzeug zu schaffen, das ohne allzu schnelle Stahlermüdung bei den etwa 10.000 Bissen des einzelnen Hakens pro Stunde und bei der gegebenen "Bissenlänge" von etwa 10 cm lange genug aushalten konnte, war an die Verwendung des allerbesten Spezialfederstahles und allersorgfältigste Härtung dieses Materials gebunden. Weil plaatje außerdem bei der Formgebung eine Menge berücksichtet werden musste bezüglich Selbstreinigung der Werkzeugtrommel von anhaftender Erde und der Vermeidung von Verstopfungen durch Stoppelreste, Unkraut, Stalldung, Gründünger usw., war eine überaus umfassende Arbeit erforderlich, um aus den ursprünglichen Werkzeugformen zu praktischen, in großem Umfange brauchbaren, Ausführungen zu gelangen.

Versuche mit die verschiedensten Stahlsorten bei verschiedenem Härten und Anlassen, die Verwendung verschiedener Drahtdurchmesser, die Art der Verteilung und Anbringung und Befestigung auf der Fräswelle folgten. Ebenso mit der Wickelform der Federn im Hinblick auf die Fortpflanzungsgeschwindigkeit der Stöße im Material, die Rücksichten auf Abschleifen an den Befestigungs- und Abnutzungsstellen und anderes mehr bedeuteten Etappen und Arbeiten, die sich um so zeitraubender und schwieriger gestalteten, als Bodenbearbeitungszustände spezifischer Art vielfach nur zu bestimmten Jahreszeiten auf bestimmten Böden wiederkehrten. Eben keine Entwicklung, wie sonst im Maschinenbau in beliebiger Beschleunigung auf dem Prüfstand und unabhängig von Witterung und Jahreszeit durchführbar ist.

plaatje plaatje Erst die Schaffung einer besonderen Werkzeugprüfmaschine in Verbindung mit zahllosen Materialproben und praktischer Erprobung der verschiedensten Formen auf verschiedenen Böden, sowie die Heranziehung aller modernen Hilfsmittel, wie die Einführung kinematographischer Zeitlupenaufnahmen, hat zur heutigen Form der Fräswerkzeuge geführt, in der Ausführung für die kleinere Bodenfräse (links) und in dem Modell für die Größere Fräsmaschinen (rechts). Diese Ausführung weißt etwa das Dreißigfache der früher erreichten Lebensdauer und Leistungsfähigkeit auf. Erst im Jahre 1929 wurden die Werkzeuge für den Großfräse wieder verbessert.

Gutsfräsen

Die Verwendung des Fräswerkzeugs erforderte natürgemäß auch die Schaffung einer neuen Form des sie tragenden Fahrzeuges und der Antriebsweise und sollte ja gerade deren Herausbildung ermöglichen. Die erste, unter lebhafter Anteilnahme des Erfinders Konrad von Meyenburg seinerzeit im Protos-Automobilwerk der Siemens-Schuckertwerke hergestellte Type, war in der richtigen Erkenntnis gebaut, daß es im Wesen der Bodenfräse gelegen ist, verhältnismäßig geringe Fahrgeschwindigkeit bei erheblicher Arbeitsbreite zu bewältigen. So finden wir eine, die Radspur überdeckende Arbeitsbreite von etwa 2,5 m, und eine in seiner Geschwindigkeitsabstufung schaltbare Fahrbewegung. Es gab einen quergestellten Motor von einigen 20 PS mit Kettenantrieb zum Fahrwerk und zur Frästrommel. Der Frästrommel war aufgehängt in einem auf- und abschwingenden Ausleger, um das Werkzeug ausheben und die Tiefe des Eingriffs regulieren zu können. Der Aufbau der Siemens-Benzinfräse entsprach weitgehend einem Dreiradtraktor mit zwei hinteren Triebrädern und einem kleineren, geteilten lenkbaren Vorderrad.

Später wurden in der Zentralen-Montagewerkstatt wesentlich stärkere 50 PS-Bodenfräsen mit größerem Vorschub gebaut, dann im Dynamowerk der Siemens-Schuckertwerke solche mit 30 PS-Motoren und mit rahmenlosem Aufbau. D.h. ebenfalls nach Angaben des Erfinders Konrad von Meyenburg ohne eigentliches Chassis, sondern unter Ausgestaltung des Kurbelgehäuses, des Kupplungsgehäuses und des Getriebekastens als Fahrzeugwanne (Bild links). plaatje plaatje

Aber diese an sich überaus ansprechende Anordnung erwies sich als schwer zugänglich und heikel in Beziehung auf die Führung des Kühlungluftstroms für den Motor, und so entschied man sich zur Lagerung des Motors auf einer besonderen, freitragenden Konsole. Man hing das vordere Lenkrad in einem besonderen Umführungsrahmen auf, behielt jedoch die Verwendung des Getriebekastens als Chassis bei (Bild rechts), das bis 1926 ein 30 PS Kämper Benzinmotor antrieb. Danach gelangten 35 PS Benzinmotoren zum Einbau.

Hand in Hand mit dieser grundsätzlichen Entwicklung ging diese der einzelnen Getriebe, wie der motorischen Hub- und Senkvorrichtung für den Ausleger mit der Frästrommel und der Aufhängung und Ausbalancierung dieser Trommel in ihren verschiedensten Stellungen. Die für derartige Betriebsverhältnisse ungeeignete Kette war längst durch Kardanantrieb ersetzt worden. Kurz -- es galt, eine Fülle von Einzelerfahrungen zu sammeln und schwierige technische Einzelaufgaben zu lösen, wie beispielsweise die Ermöglichung des Wendens eines solchen Fahrzeuges auf der Stelle, das durch Auskuppeln des bei der Schwenkung innen liegenden Triebrades und durch Schwenken auf der Stelle in 20 Sekunden erreicht wurde. Die sogenannte "Gutsfräse" dieser Art stellte ein nach Anordnung, Bemessung, Funktion und Leistung hochwertiges und relativ vollkommenes, von der Deutschen Landwirtschafts-Gesellschaft ausgezeichnetes Arbeitsmittel dar. Sie hatte im wesentlichen nur den einen Fehler, relativ teuer zu bauen zu sein und infolgedessen schwer wirtschaftlich (d. h. billig genug) herstellbar zu sein. Es gab etwa 10 grundsätzlich, d. h. im Aufbau wesentlich voneinander verschiedene Typen, die in je mehreren Exemplaren gebaut wurden.

Ab 1930 kamen sogar 40 PS Benzinmotoren zum Einbau. Die Fräsen wurden bei verschiedene Siemens-Werken konstruiert, die meiste Motoren wurden im Blockwerk gebaut. Mehr Informationen über den Siemens & Halske Blockwerk und die andere Werke, findet man unter www.siemens-stadt.de.

Die mit der rückwärtig angelenkten Fräswelle zu leistende Bodenbearbeitung überzeugte durchaus, allein sie schränkte im Vergleich zum bloßen Traktor doch die Verwendungsmöglichkeiten der Gutsfräse nachhaltig ein. In 1928 war Professor Dr. Holldack noch sehr optimistich über die Absatzmöglichkeiten der Gutsfräse: "Die Entwicklungsarbeit an der Siemens-Fräse hat den Erfolg gezeitigt, daß die Fräsarbeit im Gartembau heute als anerkannt und erstklassig angesehen wird. Die volle Durchdringung auch der Land- und Forstwirtschaft ist angebahnt und wird sich mit der Zeit vollziehen."

Bauernfräse

Neben dieser Entwicklung einer etwa 35-pferdigen Gutsfräse wurde sehr bald die Schaffung einer kleineren, für großbäuerliche Verhältnisse gedachten "Bauernfräse" in Angriff genommen. So entstanden im Laufe der Zeit weitere 4 verschiedene Modelle solch mittlerer Bauernfräsen mit etwa 20-pferdigem Motor. Deren Herausbringung erforderte aber noch weitere Arbeit und sie sind nie zu einer endgültig abgeschlossenen Entwicklungsform gelangt.

Plantagenfräse

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Kleinfräsen

plaatje Parallel zu der Gutsfräsenentwicklung ging diejenige der Schaffung einer Kleinfräse für kleinbäuerliche und namentlich gärtnerische Zwecke. Denn es galt, die besondere Eignung des Werkzeuges zur Ausführung in ganz geringen Baugrößen auszunutzen und dadurch die Möglichkeit der motorischen Bodenbearbeitung nunmehr auch den Besitzern kleinster Flächen zu geben, die bisher davon ausgeschlossen waren. Denn die Dampf- und Motorpflugen eigneten sich ihrer Wesen nach nicht für diese Zwecke, weil die Einseitigkeit der auftretenden Kräfte und die unsymmetrische Bauweise zu erheblichen Radstandweiten zwungen. Beim Pflugen fällt ja auch der Angriffspunkt der Mittelkraft aus dem Pflugwiderstand, mit dem Mittelpunkt der Zugkraft, bzw. der Mittellinie des Fahrzeuges, nicht zusammen, so daß ein das Fahrzeug verdrehendes Kräftepaar entsteht.

plaatje Die ersten Kleinfräsen wurden ebenfalls nach Angaben des Erfinders Konrad von Meyenburg von seinen Schweizer Lizenznehmern August Grunder hergestellt und von Siemens im Modell übernommen. Es betraf einen karrenförmigen, d. h. zweirädrigem, starrem Aufbau zum Kippen um die Fahrachse, ohne Kardangelenk für den Fräsantrieb, sowie ohne ein vorderes Lenkrad für das Fahrzeug. Das damals bei der große Fräse benutzte Werkzeug konnte ohne weiteres für die kleine Maschine verwendet werden, um so mehr, als bei der Verwendung im Gartenbau geringere Ansprüche an seine Widerstandsfähigkeit gestellt wurden. Hingegen erforderte die Ausreifung des Motors und Getriebes, der Kupplung, Lenkung usw. ebenfalls weitgehende Entwicklungsarbeit. Für alle diese Arbeiten und für den Bau der Maschinen wurde 1922 ein besonderes kleines Werk in Berlin-Tempelhof geschaffen.

plaatje Der ursprünglich knapp 3-pferdige Einzylinder-Viertaktmotor wurde mit der Zeit durch andere Modelle und schließlich einen 5½ PS luftgekühlten Zweitaktmotor ersetzt. Diese Vergasermotoren wurden bei Siemens selbst entwickelt. Da die Kleinfräse vielfach in die Hände von Laien kommen würde, war darauf geachtet worden, daß ihre Wartung und Bedienung so einfach wie möglich sein sollten. Aus diesem Grunde wurde dem Zweitaktmotor der Vorzug vor dem Viertaktmotor gegeben, zumal die Kleinfräse oft in sehr unebenen Gelände arbeiten mußte und starken Stößen ausgesetzt war. Ihr Einzylindermotor, der außen eine glatte, abgerundete Form zeigte, machte 1500 U/min, war luftgekühlt durch einem obenliegenden Lüfter und mit einem Siemens-Schwungradmagnet und Sum-Vergaser versehen.

Lenkbock und Ausklinkvorrichtung für das Steuergestänge, das nach Belieben hoch und niedrig gestellt, links und rechts ausgeschwenkt werden konnte, und auch zum Arbeiten in hohen Reihenkulturen nach vorn überklappbar gestaltet werden mußte, wurde im Einzelnen durchgebildet. Die Form der Triebräder, Aufsteckräder für Straßenfahrt, Hackarbeit usw. wurde verändert, auswechselbare Dächer verschiedener Arbeitsbreite in möglichst leichter widerstandfähiger Blechkonstruktion hergestellt, Tiefenschuh, Tiefenstellung und dergl. verändert. Sämtliche Lager wurden durch Kugel-, Rollen- und Nadellager ersetzt, um die Abnutzungen zu beschränken und größtmögliche Abdichtung nach außen zu ermöglichen.

plaatje Um die Ausnutzbarkeit der Maschine für die verschiedensten Arbeiten zu erweitern, wurden besondere Hakenformen für die Benutzung in durchwurzelten Böden geschaffen, bestehend aus kürzeren, weniger gekrümmten, nicht spitzen und vorn angeschliffenen sogenannten "Messerhaken". Diese beißen sich im Würzelwerk nicht fest, sondern können bei zu starken Wurzeln darüber hinweggleiten und sind zu ihrem Schutz noch mit besonderen, auf der Fräswelle drehbaren, aber nicht umlaufenden Schutzscheiben versehen nach Angaben von Forstmeister Vogel. Die Scheiben sind so bemessen, daß die Fräshaken darüber hinausstehen, die sie tragenden Federn aber im Schutzkreis der Scheiben gelagert sind.

plaatje Andererseits wurde eine besondere Vorrichtung geschaffen, um den Motor nach Abnahme des Frässchwanzes mit einer Riemenscheibe zu versehen und zum Antrieb von allerhand Arbeitsmaschinen, wie Pumpen für Regenzwecke, Futterschneidmaschinen, Holzsägen und dergl. verwendbar zu machen. Endlich waren nun auch Zusatzteile zwecks Verwendung der Maschine, statt zum Fräsen, zum Gras- und Getreidemähen und schließlich zum Spritzen der Kulturen mit chemischen Mitteln zur Schädlingsbekämpfung vorgesehen.

Die nach Patenten von Meyenburgs gebaute Siemens Plantagen- bzw. Gartenfräse war viel erfolgreicher als der Gutsfräse. 1927 kombinierte Siemens die beiden 8 bzw. 4 PS starken Maschinen zur 5 PS Kleinfräse K5, die endlich in größerer Stückzahl in den Verkauf gelangte. Die Herstellung Großfräsen mußte sogar, um zunächst der außerordentlich starken Nachfrage nach der Kleinfräse zu genügen, im Jahre 1928 vorübergehend zurückgestellt werden.

Elektro-Antrieb

plaatje Wenn alle bisher genannten Modelle auf Verwendung von Flüssigkeits-Verbrennungsmotoren eingerichtet waren, weist trotzdem der Charakter der Siemens-Schuckertwerke doch eigentlich auf die Bevorzugugung von Elektromotoren hin. So geschah es, dass das Studium bei der Ausbildung des eigentlichen Fräswerkzeuges und Fahrzeuges mit einer unabhängigen und an sich gegebenen Kraftquelle gerade genug des Neuen und Unbekannten in sich einschloß, und es ratsam erschien, diese Schwierigkeiten nicht durch eine weitere, der zweckmäßigen Energiezuführung in Form des Stromkabels, zu akkumulieren und zwei Unbekannte in die Gleichung zu bringen. 1929 schrieb R. von Radetzky (Abteilung Fräsen der SSW): "Die Herstellung der Bodenfräsen im Siemens-Konzern findet aber auch eine genügende Erklärung in der geschichtlich begründeten Anteilnehme des Hauses Siemens an Fortschrittsarbeiten, die der Landwirtschaft dienen."

Jedoch ist, wenn auch in geringerem Ausmaß, auch die Durchbildung elektrischer Fräsen seit Jahren betrieben worden. Schon eine der ersten 25-pferdigen Fräsen aus dem Protos-Automobilwerk war mit Elektromotor ausgerüstet und wurde u. a. 1914 bei der Ausstellung der Deutschen Landwirtschafts-Gesellschaft in Hannover gezeigt. Später wurde eine 50-pferdige AZ-Fräse mit Elektromotor und automatischer Kabelauf- und Abwickelvorrichtung gebaut. Endlich ist etwa ein Dutzend kleiner 4-pferdiger Elektro-Karrenfräsen gebaut worden, bei denen das in seiner Länge automatisch veränderliche Stromkabel von der Spitze eines leicht versetzbaren Mastes durchhängend zur Fräse zugeführt werden konnte.

Aber wenn diese Ausführungen auch mehr oder weniger ordnungsmäßige Funktionen zeigten, so ist doch die den Ansprüchen der breiten Praxis genügende Form in dieser Beziehung nie gefunden. Erst rund 1928, nachdem an sich die technischen Einzelheiten, die das neue Fräsverfahren mit sich brachte, weitgehend erforscht und geklärt waren, waren die Voraussetzungen für Vervollkommnungen und Durchbildung namentlich kleiner elektrischer Fräsen in genügendem Maße gegeben.

Gut Gieshof

Die Art der Aufgabe der technischen Entwicklung einer so neuartigen Bodenbearbeitungsmaschine brachte es mit sich, daß sie nicht allein im Konstruktionsbüro eines Werkes und unter Ausnutzung aller möglichen Herstellungs- und Fabrikationsverfahren bewirkt werden konnte, sondern sie erforderte die Schaffung eines "Prüffeldes" ganz besonderer Art. Die Arbeitsbedingungen auf dem so eigentümlichen und schier endlos variablen Werkstoff "Ackerboden" und die Struktur seines Arbeitsproduktes "Bodenkrümel" können nicht in der Fabrik, sondern nur draußen in Feld und Garten studiert werden. Trifft das schon für Bodenbearbeitungsmaschinen zu, die unter Verwendung an sich bekannter Bodenwerkzeuge, wie des Pfluges, wirksam sind, so galt das in noch viel größerem Maße für eine so neuartige Wirkungsweise, über deren landwirtschaftliche Brauchbarkeit zunächst keinerlei Anhaltspunkte bestanden. Es galt nicht nur, die Maschine so zu gestalten, daß sie eingestellt, gefahren und gelenkt werden konnte und den Boden zerkleinerte, sondern auch diese Zerkleinerung in einer kulturell wertvollen Weise durchzuführen. Ferner kam als ganz neuer Punkt hinzu, den Nachweis für den Wert der erzielten eigenartigen Bodenstruktur zu erbringen und für den Benutzer konkrete Anhaltspunkte über die Art des Einsatzes und den praktischen Gebrauch im Betrieb zu schaffen.

plaatje Zur Bearbeitung all dieser Fragen und Aufgaben wurde von den Siemens-Schuckertwerken das 500 ha große Gut Gieshof bei Neubarnim im Oderbruch angekauft, das neben vorwiegend schweren auch mittlere und leichte Böden aufwies und somit die verschiedensten, und zwar auch ausnehmend schwierige Aufgaben der Bearbeitung des schweren Oderschlickbodens stellte. Das Gut wurde zu einer Versuchs- und Lehranstalt ausgebaut, wie sie in solcher Besonderheit für die Entwicklung von Landmaschinen sonst wohl kaum zu finden sein dürfte. Es stellte das erste Institut dar, bei dem Gutsbetrieb, spezielle Versuchsfelder und Versuchsgärten, bodenphysikalisches Laboratorium und mechanische Werkstätte für die Entwicklungsarbeit in organischen Zusammenhang gebracht worden sind. In dieser Anstalt ist unter Leitung von Professor Dr. Hans Holldack und mit Hife eines Stabes von Assistenten verschiedenster Fachrichtung eine umfassende Arbeit geleistet worden, die um so schwieriger war, als Vorgänge, Apparate und Meßverfahren für diese speziellen Zwecke wenig vorhanden waren und meistens erst geschaffen werden mußten. U. a. wurde hier die oben erwähnte Werkzeugprüfmaschine hergestellt und ein neuartiges, fahrbares elektrisches Meßaggregat gebaut, bestehend aus einer Meßfräse mit zwei Elektromotoren. Von denen diente eine zum Antrieb des Fahrwerkes, die andere zum Antrieb des Fräswerkes, sodaß durch registrierende Messungen der Kraftaufwand für beide Zwecke unabhängig gemessen und der Einfluß verschiedener Vorschubgeschwindigkeiten und verschiedener Drehgeschwindigkeiten, verschiedener Bissengrößen, Schnittgeschwindigkeiten, Schnittwinkel und Werkzeugform genau ermittelt werden konnte.

Weiter wurden alle Einzelteile, namentlich soweit sie mit dem Boden in Berührung kamen, wie die Elemente zur Führung, Balancierung der Tiefstellung, fort und fort verändert und in ihrer Funktion unter den verschiedensten Witterungs- und Bodenverhältnissen erprobt und alle jene subtilen Einzelheiten, wie sie die Entwicklung eines immerhin so komplizierten Gebildes mit sich bringt, im einzelnen verfolgt und vervollkommnet. Dazu kam dann die Ausgestaltung der Nebenapparate, der Vorrichtungen zum Antrieb von Dreschmaschinen, zum Schleppen von Bindemähmaschinen, Untergrundhaken, Walzen, Eggen und Drillmaschinen, die Erprobung besonders breiter Räder für Moorbearbeitung, Walzzwecke u. dgl., kurz -- eine Fülle technischer Aufgaben, die in Verbindung mit dem Konstruktionsbüro der Fabrik von der Versuchsanstalt zu klären waren.

plaatje Daneben liefen die Beobachtungen über besten Einsatz und richtige Einstellung der Maschinen zur Beantwortung der unzähligen praktischen Fragen der Benutzung wie derjenigen, wie tief die Bearbeitung beim Stoppelschälen erfolgen soll, oder wie gefräster Boden zur Aufnahme der Getreidesaat, zur Rüben- und Kartoffelbestellung am richtigsten behandelt wird. Auch wie die Bekämpfung der verschiedenen Samen- und Wurzelunkräuter, des Hederichs, der Quecke und Distel zu erfolgen hat, in welcher Weise verschieden geformte Feldstücke am zweckmäßigsten befahren und bearbeitet werden sollen, und endlich die Fragen der Benutzung in Reihenkulturen und bei gärtnerischen Aufgaben, wie zum Abranken von Erdbeeren, der Behäufelung von Getreide u.a.m.

Endlich galt es, darüber Rechenschaft abzulegen, inwieweit die beim Fräsen erzielte eigenartige Bodenstruktur zwar nicht den überkommenen und beim Pflugverfahren bewährten Gesichtspunkten entspricht, wohl aber den physiologisch begründeten Ansprüchen der Kulturpflanzen Rechnung trägt. Insbesondere mußte ermittelt werden, ob und unter welchen Verhältnissen und bei welchen Behandlungsmaßnahmen, die viel weitergehende Lockerung des gefrästen Bodens nützlich oder schädlich ist. Denn es war sehr wohl möglich, daß namentlich leichtere Böden infolge so ungewöhnlicher Durchlüftung eine zu starke Oxydation und übermäßige Umsatzbeschleunigung erleiden konnten. Ebenso zweifelhaft war, ob vor dem Winter gefräste Böden in gleichem Grade wie in rauher Furche liegende, gepflügte Stücke durchfrieren würden und ob sie nicht unter dem Einfluß der winterlichen Niederschläge verschlämmen und im Frühjahr verkrusten würden . Kurz -- auch hier eine Vielzahl naturwissenschaftlicher und insbesondere bodenphysikalischer Fragen, deren Beantwortung nötig war, wenn man sich über den Wert der Fräserei klar werden wollte. Dies machte wiederum die Schaffung einer speziellen Versuchsapparatur erforderlich, und so wurden registrierende Druck- und Tiefenmeßapparate für den Boden hergestellt und die neuesten Verfahren zur Messung der Bodenatmung und zur Feststellung des anteiligen Gehalts der Krume an Bodensubstanz, Bodenwasser und Bodenluft herangezogen und für die spezielle Aufgabe ausgestaltet.

plaatje Es wurden jahrelang Bodentemperatur-Meßungen, Aziditätsmessungen, Feuchtigkeitsmessungen durchgeführt, die Porositätsverhältnisse auf Schlifflächen künstlich gefrorener Erdbrocken studiert, stereoskopische Aufnahmen der Bodenkrümelung, Absiebungen u. dgl. durchgeführt, kurz -- ein umfangreiches Material gesammelt, das zu weitgehenden Schlüssen und Beweisen über Wert und Unwert der Fräskultur diente. Ein Teil der Ergebnisse ist schon 1928 in den "Wissenschaftlichen Veröffentlichungen des Siemens-Konzerns" und in der landwirtschaftlichen und technischen Fachpresse veröffentlicht worden, und zwar vor allem die erstmals in Gieshof in solchem Umfang durchgeführten Bodenkohlesäure-Messungen und ferner die Porositätsmessungen, durch die die bodenphysikalischen Untersuchungsmethoden auf eine neue Grundlage gestellt wurden, die auch in den Meßverfahren der wissenschaftlichen Hochschulinstitute an den verschiedensten Stellen benutzt wurden, so daß auch Nachprüfungen von anderer Seite ermöglicht wurden. Der größere Teil des naturwissenschaftlichen, maschinentechnischen und des auf Hunderten von Versuchsparzellen und Versuchsfeldern in 14 Jahren gesammlte Anbauversuchsmaterials wurde jedoch erst später in ausführlicher Darstellung in Buchform veröffentlicht.

In der Anstalt sind ferner zahlreiche Spezialbearbeiter für den Fräsenvertrieb, die in den Siemens-Vertretungen im In- und Ausland wirkten, sowie das erforderliche Monteur- und Reparaturpersonal ausgebildet und eine große Anzahl von Fräsenführern der Siemens-Kunden in wochenlanger Ausbildung instruiert worden. Da die einschlägigen Aufgaben -- wenigstens in dem vom Standpunkt des industriellen Unternehmens erforderlichen Ausmaß -- inzwischen erfült waren, konnte die eben doch kostspielige Anstalt abgebaut werden, so daß 1928 alle Kräfte darauf gestellt wurden, die Serienfabrikation der mittlerweile ausgereiften Maschinentypen auszubauen und zu erweitern.

Auch ist der Gieshof im Laufe der Jahre von mehreren tausend Besuchern -- Wissenschaftlern und führenden Praktikern aus dem In- und Ausland -- besucht worden, so daß durch die Arbeitsweise der Maschinen und die Art ihrer Benützung, durch den Stand der Felder und den Einblick in die Werkstatt und das Laboratorium mancherlei Eindrücke über die Fräserei, über deren Vorzüge sich die führenden Kreise damals einig waren, vermittelt werde konnten. Ein regelmäßiger Besucher war der Erfinder Konrad von Meyenburg, der sich zusammen mit Professor Dr. Holldack und weltweite Mitarbeitern sehr bemüht hat, den richtigen Krümelstruktur des Bodens heraus zu finden. Die Untersuchungen ergaben, daß durch eine richtige Bodenbearbeitung Sauerstoff und Stickstoff in den Boden gebracht werden und die entweichende Kohlensäure, von den Blättern aufgenommen, die Erträge steigern.

Großfräse

Die Herstellung der früher unter dem Namen Gutsfräse bekannt gewordenen 35 PS-Fräse mußte wegen Umkonstruktion und, um zunächst der außerordentlich starken Nachfrage nach der Kleinfräse zu genügen, im Jahre 1928 vorübergehend zurückgestellt werden. Durch Rationalisierung des Betriebes neben der, in noch gesteigertem Ausmaß fortgeführten Herstellung der Kleinfräse, mußte auch die Großfräsenherstellung stärker betrieben werden. Anfang 1929 wurde im Fräsenwerk der SSW mit dem Bau einer neuen Reihe großer Fräsen begonnen, die gegenüber den Gutsfräsen bemerkenswerte Änderungen aufwiesen und daher der neue Typenbezeichnung Großfräse G4 trugen.

Durch das Ausfuhrgeschäft wurden einige Abänderungen an der Maschine bedingt: Da die Gutsfräsen verhältnismäßig am zahlreichsten in Rußland abgesetzt wurden, dort aber durchweg unter ungewöhnlich schwierigen Verhältnissen, auf wenig ertragfähigen oder gänzlich verwildertem Boden zu arbeiten hatten, war die neue Reihe von vornherein auf höchste Beanspruchung eingestellt worden. Der Getriebekasten, das Fräsgehäuse und die vom Führersitz aus durch einen Hebel geregelte, motorische betätigte Hub- und Senkvorrichtung des Frässchwanzes wurde verstärkt. Auch den russischen Brennstoffverhältnissen wurde Rechnung geträgen, indem man den Vergaser der Großfräse G4P für Petroleumbetrieb und auch für die Verwendung geringwertiger Petroleumsorten einrichtete.

plaatje 1929 wurde auch einige Studien zur Weiterentwicklung der eigentlichen Fräswerkzeuge durchgeführt. Die Befestigung des Großfräsenwerkzeuge wurde durch Sicherung des Federsitzes nach beiden Seiten und durch eine gesicherte Befestigung des Werkzeughakens an der Federschlaufe verbessert. Vor allen aber wurde eine Anzahl neuer Werkzeugformen gefunden, (siehe Bild), die für bestimmte Arbeitsaufgaben besser geeignet waren als der ursprunglich allein angewandte, krallenartig gebogenen Spitzhaken. Dieser letztere wurde zu dieser Zeit nur noch auf bereits kultivierten Böden ohne groben Widerstände verwendet. Es gab hier b) ein gerades Messerwerkzeug für Bearbeitung von Wiesen, c) und d) Tiefmesserhaken für Tiefarbeit auf verwachsenen Böden, z.B. Mooren, und schließlich e) und f) Schälhaken für Flacharbeit.



Die Verwendbarkeit der Großfräse als Zugkraft wurde durch eine neue Zugvorrichtung erweitert, welche die Ausnutzung der vollen Zugleistung des Fahrwerks ermöglichte. Die Moorausrüstung war einfacher und leichter gehalten als bisher. Sie wog 500 kg gegen bisher 1350 kg. Das Eigengewicht von 2600 kg sollte die volle Ausnutzung der Zugkraft der Großfräse gewährleisten.

Stock-Raupe

Zitat aus Siemens-Jahrbuch 1930, Author: Alefeld
plaatje Zielbewußte Weiterentwicklung auf Grund eingehender Versuche hat das Anwendungsgebiet der Fräse mehr und mehr erweitert. Zunächst glaubte man, den größten Erfolg bei dem Landwirt zu haben, und schuf deshalb, wie Prof. Holldack [im Siemens-Jahrbuch 1928] darlegte, die Gutsfräse. In den lezten Jahren stellte es sich jedoch heraus, daß die Tendenz in der Landwirtschaft nicht nach der Spezialfräse ging, sondern daß eine Maschine, die möglichst vielseitig verwendbar ist, als das geeignete Gerät betrachtet wurde. Der größere Gutsbetrieb kommt ohne motorische Zugkräfte nicht mehr aus, und deshalb findet man auf allen größeren Höfen Traktoren, Raupen usw. Diese Geräte sind infolge ihrer vielseitigen Verwendungsmöglichkeit notwendig.

Für die Siemens-Schuckertwerke ergab sich also die Frage: Sollen wir unsere Gutsfräse dadurch den modernen Erfordernissen enger anpassen, daß wir sie auch zum Ziehen schwerer Lasten einrichten, sie also für gewisse Zwecke zum Traktor machen? Schon stets war es ja möglich, wie Bild 1 zeigt, die Gutsfräse in dieser Weise zu verwenden. Die Anforderungen, die an einen Traktor gestellt werden, wurden aber immer größer, so daß man eine besondere Konstruktion schaffen mußte, die es gestattet, von der Fräse auch schweren Zug ausüben zu lassen. Versuche in dieser Richtung sind im letzten Jahr [1930] von den Siemens-Schuckertwerken erfolgreich durchgeführt und von den Landwirten, die eine Fräse besitzen günstig aufgenommen worden.

plaatje In dem Bestreben jedoch, das Absatzgebiet erheblich zu erweitern, entschlossen sich die Siemens-Schuckertwerke, auch den anderen Weg zu gehen und nicht nur, wie oben gezeigt, aus der Fräse einen Traktor zu machen, sondern umgekehrt den Traktor bwz. die Raupe zur Fräse auszugestalten. Man hat zunächst mit der Stock-Motorpflug A.-G. in Berlin-Niederschöneweide gemeinsame Versuche unternommen, um die von der Land- und Forstwirtschaft gern gekaufte Stock-Raupe mit einem Frässchwanz zu versehen. Die Neukonstruktion ist als vollkommen gelungen zu bezeichnen und hat den vielfachen Prüfungen und Versuchen standgehalten. Die Art der Konstruktion gibt am besten ein Bild wieder; als solches stellt Bild 3 die Raupe mit angehängtem Frässchwanz dar. Die Konstruktion ist denkbar einfach gehalten, so daß der Frässchwanz mit geringem Zeitaufwand an die Stock-Raupe angefügt werden kann, genau wie ein anderes Anhängegerät, etwa ein Mähbinder (Bild 2).

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Ebenso wie der Mähbinder durch Abnahme der Kraft von der Zapfwelle in Arbeitstätigkeit gesetzt wird, wird durch dieselbe Übertragung der Frässchwanz angetrieben. Der Frässchwanz hat doppelseitigen Kettenantrieb und arbeitet in einer Breite von 130 cm. Die Hub- und Senkvorrichtung besteht im Gegensatz zu derjenigen der G III-Fräse, die sich aus Zahnrädern und Schraubenspindel zusammensetzt, aus Schneckenantrieb mit einem an diesen direkt befestigten Kurbelarm, der das Heben und Senken vermittels eines Seiles bewirkt. Die guten Flächenleisungen der Maschine --sie arbeitet z.B. als Schälfräse etwa 36 Morgen je Tag-- in Verbindung mit dem verhältnismäßig billigen Anschaffungspreis und den geringen Betriebskosten machen diese Neukonstruktion der Siemens-Schuckertwerke zu einem für die Landwirtschaft sehr brauchbaren Gerät.

Mit der Schaffung dieser Kombination ist naturgemäß die Weiterentwicklung der Gutsfräse nicht aufgehalten worden, da diese in vielen Wirtschaften auch in Zukunft ihren Platz behaupten wird und insbesondere zur Kultivierung von Ödland und Mooren sowie zu Spezialaufgaben unentbehrlich bleibt, nämlich überall da, wo es weniger auf schnelle Arbeit als auf Bewältigung schwieriger Bodenverhältnisse und hohe Arbeitsqualität ankommt. Die Durchdringung neuer Länder ist häufig erschwert worden durch die Brennstoffrage, so daß im Laufe der letzten Jahre die Siemens-Schuckertwerke dazu übergegangen sind, die Motoren der Gutsfräse für Petroleumbetrieb einzurichten. Diesem Umstand sowie einigen anderen Verbesserungen ist es auch zu verdanken, daß die Sowjetregierung sich entschloß, im lezten Jahre einen großen Auftrag auf Fräsen zu erteilen und in diesem Jahr eine große Nachbestellung zu geben. Die G-Fräsen werden im Sowjetstaat zu verschiedenen Aufgaben verwendet, wie zum Abbau von Torflagern, zum Umbruch von Grünland.

plaatje In Fischteichen ist die Gutsfräse mit großem Erfolg eingesetzt worden, denn es hat sich die Erkenntnis mehr und mehr durchgesetzt, daß ein gesunder Fischbestand nur möglich ist, wenn der Teichboden, nachdem das Wasser abgelassen ist, durchlüftet und der Schilfbewuchs, wenn nicht ganz vernichtet, so doch stark gelichtet wird. Um diese Arbeit erfolgreich durchzuführen, sind Spezialhaken entwickelt worden zur Kultivierung von Steppen und außerordentlich verbülteten Mooren, zur Bearbeitung von Reiskulturen u.a. (Bild 4).

Alles in allem kann gesagt werden, daß der Landwirtschaft neben der Vervollkommnung der bisherigen Fräse ein neues Gerät in Erschaffung einer Kombination zwischen Raupe und Fräse gegeben und daß zu Spezialaufgaben die Gutsfräse weiterentwickelt wurde.


Nachschrift
Vom im Jahre 1927 vorgestellten Raupenstock wurden über 4000 Stück verkauft, viele in der Sowjetunion und in Französich-Algerien. Da die Fertigung 1929 aus finanziellen Grunden eingestellt wurde, können nicht viele Exemplaren mit Siemens-Anbaufräse geliefert worden sein.
Siemens hat in Folge versucht, den zahlreichen Besuchern des Gieshofes unter der fachkundigen Führung von Rudolf Kautzsch die Großfräse immer wieder im Zugmaschineneinsatz etwa vor Mähbindern zu demonstrieren, doch letzte Zweifel bestanden forthin. Der Großfräse wurde deswegen Anfang der dreißiger Jahre aus dem Siemens-Produktionsprogramm genommen.

Kleinfräse verbessert

plaatje Eine der wichtigsten Fragen war auch bei der Kleinfräse, sobald ihre Anwendung sich nicht mehr auf gärtnerischen Kulturböden beschränkte, die Durchbildung des richtigen Werkzeugs. Wie im Bild zu sehen ist, wurde eine ähnliche Lösung wie für die Großfräse gefunden: 1) den Spitzhaken für Kulturböden, 2) den Schälhaken für Schäl- und Hackarbeit, 3) den geraden Messerhaken für Wiesenbearbeitung, 4) den gedrungene S-Messerhaken für steinige Waldböden, und 5) den schlanken S-Messerhaken für Tiefarbeit auf bewachsenen und durchwurzelten Böden.

plaatje Hatte 1930 die Kleinfräse sich den Forst erobert und Einzug in die Landwirtschaft gehalten, bediente sich auch in Übersee die Plantagenwirtschaft mehr und mehr der Siemens-Fräse. In tropischen und subtropischen Ländern wie Brasilien, Südafrika und Niederländisch-Indien, aber auch in den USA, ergab sich die Notwendigkeit, insbesondere bei sehr starke Staubentwicklung, die Luftfilter zu verstärken. Die Versuche führten zur Schaffung eines neues Luftfilters, wobei die Verbrennungsluft einen Ölbad vorbeigeführt wurde. Die neuartige Anordnung ergab neben anderen Vorzügen eine ganz erhebliche Benzinersparnis, sowie eine nicht unbeträchtliche Schonung des Motors, so daß sich die Siemens-Schuckertwerke entschlossen, in Zukunft nicht nur für die Tropen hergestellten Maschinen, sondern ihre gesamten Maschinen mit dieser Vorrichtung zu versehen. Außerdem war für Fräsarbeit in der Nähe von Schulen, Krankenhäuser usw., ein Schalldämpfer lieferbar.



Eine Einschränkung der Anwendbarkeit der Fräse im Garten- und Feldgemüsebau war dadurch gegeben, daß bei Reihenweiten unter 40 cm mit der Fräse nicht mehr gehackt werden konnte. Anfang 1929 brachte man doppelte Hackschwanzen, sowie eine von einem Gärtner entwickelte Hackrinne heraus, weiter konnte für die Hackarbeit durch Aufsteckrädern auf die beidem Triebräder Bodenfreiheit und Geschwindigkeit erhöht werden. Eine Reihe andere Anbaugeräte folgte, teilweise bezogen von Fremdfirmen wie Firma Weise Sohne, Halle a.d.S., Firma Rud. Hartwig Maschinenfabrik, Rudolstadt (Thür.) und Firma Karl Platz, Ludwigshafen:

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So konnte die letztendlich in rund 5000 Exemplaren im In- und Auslande verbreitete Kleinfräse K5 als eine, nach jeder Richtung voll und ganz ausgereifte und in jeder Beziehung harmonisch durchgebildete Maschine gelten, die auch lang nach der Beendung der Siemens-Fräsenproduktion noch von der Firma Bungartz&Co., München, weitergebaut wurde.

Siemens in Amerika

plaatje plaatje Herrn H.B. Hiller emigrierte von Deutschland nach USA, um dort zu versuchen, ein neues und besseres Leben aufzubauen. Nach Vollendung seiner mechanischer Studie, arbeitete er bei der Motorette-Fabrik in Hartford (Connecticut, USA) und wurde von C.W. Kelsey als Test-Fahrer angenommen. Die beide wurden gute Freunde. Cadwallader Washburn Kelsey, 1880 in der Schweiz geboren, hatte in Hartford nach vielen Versuchen eine kleine Automobilfabrik gegründet, in der er bis 1912 das Kelsey Motorette Auto baute.

Nach Ende der Firma Motorette kaufte Herr Hiller sich eine Bauernwirtschaft in Unionville. 1921 besuchte er Verwandte in Deutschland, und konnte wegen den schlechte ökonomischen Verhältnissen nicht mehr in die USA zurückkehren. Er fand eine Arbeitsstelle bei der Siemens-Schuckertwerke, in der Abteilung Bodenfräsen. Zu dieser Zeit hatte der Siemens-Leitung sich zum Versuch entschlossen, die Siemens-Fräse in der USA einzuführen. H.B. Hiller wurde zusammen mit einer Kleinfräse K5 in die USA zurückgeschickt, und sollte seinem alten Freund C.W. Kelsey anbieten, ein Siemens-Vertreter zu werden.



plaatje Trotz der Great Depression akzeptierte Kelsey den Angebot. Die beiden luden die Kleinfräse auf einem Pick-Up Truck und demonstrierten sie in den ganzen USA, wobei sie unterwegs Siemens-Vertretungen einrichteten. Zurück zu Hause, mietete Kelsey ein Büro am Broadway in New York und startete The Rototiller Company, um die Fräsen in der USA zu importieren und zu verkaufen. Das war allerdings nicht so einfach, weil der Siemens K5 $ 695 kosten sollte und vergleichsweise ein neuer Chevrolet Pick-Up Truck $ 600!

Dazu kam, das die amerikanische Bauern die Kleinfräse nicht den amerikanischen Verhältnissen angemessen fanden. Kelsey meldete an die Siemens-Schuckertwerke, daß einige Änderungen an der Kleinfräse notwendig waren, und so wurde sie in der Folge mit moderneren Öldichtungen und Ölbadluftfiltern ausgerüstet. Außerdem beanstandeten die Amerikaner viele gebrochene Fräswerkzeuge durch dem harten und steinigen Boden. 1932 half Kelsey diesen Problem durch Montage seiner "shock-absorber" auf die importierte Fräsen ab.

plaatje 1932 nahm Kelsey zusätzlich die Vertretung von SIMAR-Fräsen aus der Schweiz auf, da man dort kleinere und billigere Maschinen liefern konnte, und benannte sein Unternehmen nach Rototiller Inc. um. Obwohl die schweizerische und deutsche Fräsen gute Arbeit leisteten, wollte Kelsey selber eine neue, extra für den amerikanische Bodenverhältnisse optimierte, Maschine schaffen. 1934 konstruierte er den ersten 4½ PS Modell AA (All-American) Rototiller, und ab 1936 konnte diese in Troy (New York) in großen Zahlen gefertigt werden. Der Firma Rototiller Inc. wuchs im Laufe der Jahre zum Firma Troy-Bilt, welche noch heute Bodenfräsen, meist für Hobby-Gärtner, anfertigt. Mehr Rototiller-Geschichte ist zu finden auf Charlie Zuck's Website.

Ende

plaatje plaatje Ab 1931 wurden die Siemensfräsen von der Siemens & Halske AG, im Flugmotorenwerk, Abteilung Fräsen, Berlin - Spandau, weitgebaut.

Siemens scheint bei der Kleinfräsenbau keineswegs unglücklich gewesen zu sein, als im August 1935 das komplette Programm an der Firma Bungartz & Co., München, abgegeben werden konnte. Nach mehr als zwei Jahrzehnten beendete Siemens damit sein Aufwändiges Engagement im Landwirtschaftlichen Zugmaschinenbau, den man, dem Zuge der Zeit folgend, als zukunftsträchtig, nie aber als "siemensspezifisch" eingestuft hatte. Siehe auch Der Weg der Elektrotechnik.


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