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Alfred Berning
Alfred Berning (1895, älteste Sohn van Ernst) gründete 1943 als Zweigunternehmen der Firma Rafflenbeul eine Maschinenfabrik "Alfred Berning KG". Diese hatte aber ihren Sitz in Frankenberg (Eder). Von Frankenberg aus lieferte man bearbeitete Einzelteile sowohl für die Motoren- als auch für die Schuhmaschinenproduktion. Auch für Astor-Berning hat man Arbeiten ausgeführt. 1989 wurde die Firma in "Berning-Maschinenfabrik GmbH" umbenannt, sie ist im Internet zu finden unter www.berningma.de.
Laut eines Mitarbeiters hat Herr Berning viel für die Mitarbeiter getan, er war sehr sozial eigestellt. Er hat es freiwillig getan, es gab ja noch keine Gewerkschaften.
Alfred Berning wohnte schon zu Beginn der 50er Jahre in der Schweiz in der Nähe von Zürich und erschien nur sporadisch mit seinem amerikanischen Straßenkreuzer in Schwelm. Daher rührten auch die Kontakte zur Firma "Universal AG" in Oberrieden bei Zürich. Die beginnende Motorisierung in der Landwirtschaft war dann Anlass, per Lizenzabkommen die Motorenfertigung aufzunehmen. Die Firma "Motorenbau Alfred Berning" wurde 1951 in Schwelm auf dem gleichen Areal (Kaiserstraße 55-59, siehe Bild) wie Rafflenbeul gegründet, damit sollte ein zweites Standbein zur Produktion der Schuhmachermaschinen geschaffen werden. Eine finanzielle Beteiligung von Universal gab es wahrscheinlich nicht.
Einer der erfolgreichsten Berning-Vertreter war Herr Lehn in Bad Dürkheim.
"Universal" Motoren
Die Ein- und Zweizylinder-Motoren wurden dann an deutsche Firmen, die sich mit landwirtschaftlichen Maschinen befassten, verkauft, z.B. Agria (Mockmühl), Bungartz (München), Fahr (Gottmadingen) und IRUS (Dusslingen). Die Fahr Einachser waren identisch mit den Schweizer Bucher Maschinen, zwischen die beiden Besitzer-Familien gab es wohl verwandtschaftliche Verbindungen.
W.E. Meyer, Mitarbeiter der Pennsylvania State University (USA) schreibt 1957 in einem Bericht über die europäische Motorenproduktion (aus Englisch umgesetzt):
"Unter den Viertakt-Benzinmotoren ist der von Berning bemerkenswert, da er ein einteiliges Kurbelgehäuse mit einer Kurbelwelle kombiniert, die mit der Pleuelstange eine feste Einheit bildet. Haupt- und Pleuellager sind wälzgelagert. Die Stange hat ein massives Pleuelauge und die Kurbelwelle ist aufgebaut, sodass im Werk zwei Teile zusammengebaut werden müssen. Um das Kurbelwellen-Stangen-Aggregat in das Gehäuse einführen zu können, ist dieses auf einer Seite nach oben offen. Der Zylinderfuß ruht nicht nur auf dem Gehäuse, sondern auch auf der Endplatte, die einen der drei Zylinderbefestigungsbolzen trägt. Der Nenn-BMEP [Durchschnittlicher effektiver Bremsdruck] des Berning-Motors beträgt etwa 100 psi. Es verfügt über Seitenventile und ein Verdichtungsverhältnis von 5,6:1."
Soweit bekannt, bedeutet die 1. Ziffer in der Motornummer das Baujahr, und die 2. und 3. Ziffer stehen für den Monat. Zum Beispiel: Motor 0X03102 sollte der 102. Motor aus März 1960 gewesen sein. Ausnahmen hierzu scheinen die D6K und D8K aus 1960 und 1961 zu sein? Was der Buchstabe bedeutet, ist mir (noch) nicht bekannt.
A = D6, D6K, Dk6
B = D8, D8K, DK8
D, R, F, H, X, N, M = Di7
N, M, E = Di8
Beim D6 und D8 muss zuerst das Schwungrad abgezogen werden, bevor das Aluminium Lüftergehäuse abgenommen werden kann. Außerdem ist das Kurbelwellengehäuse an der unteren Seite geschlossen. Beim D6K und D8K kann das (Aluminium- oder Blech-) Lüftergehäuse abgenommen werden, ohne das Schwungrad zu entfernen. Das Kurbelwellengehäuse hat bei diesen Motoren an der unteren Seite einen angeschraubten Deckel.
Herr Dieter Raschick, Schweiz, hat in den 50-er Jahren als Praktikant bei Motorenbau Alfred Berning gearbeitet, und hat viele Informationen für diese Seite beigesteuert. Alle blau markierten Textstellen auf dieser Seite sind von ihm geschrieben worden (vielen Dank an Klaus Schmitt für das Einsenden):
Die umfangreiche Typenliste für den 6 PS-Motor auf der Internet-Seite ist recht interessant. Aber hier wurden vermutlich kundenspezifische Besonderheiten jeweils als neuer Typ geführt. So hatte jeder Kunde seinen eigenen Anschlussflansch, das Starten des Motors erfolgte einmal mit einem Lederflachriemen auf dem Pulli, ein anderer Kunde wünschte einen Hebelstarter, usw. Für stationäre Anwendungen gab es ein Motorgehäuse mit Fußbefestigung. Wirkliche Änderungen am Motor sind mir nur zwei bekannt:
a) Die ersten Serien hatten ein Kühlluft-Gehäuse aus Blech, das später durch eines aus Alu-Guss ersetzt wurde.
b) Die vielen Pleuellager-Ausfälle führten dazu, dass in der Ölwanne eine Schikane eingebaut wurde, in welche ein "Löffel" an der Unterseite des Pleuels eintauchte und auch bei kurzzeitiger Schräglage des Motors noch genügend Spritzöl (eine Pumpe gab es ja nicht) zum Rollenlager führte. Bei Schräglage des Motors und gleichzeitiger Kraftunterbrechung heulte der Motor auf, was die Pleuellager zerstörte. Deshalb wurden nachträglich (ab Frühjahr 1953) Drehzahlregler angebaut, die auf das Vergasergestänge einwirkten.- Bei Stationärmotoren gab es diese Ausfälle nur selten.
Ich habe bei der Fa. Berning ab März 1952 als Praktikant gearbeitet, allerdings zunächst in den Abteilungen der Firma Rafflenbeul. Später dann - etwa ab Frühjahr 1953 wechselte ich in den Motorenbau und war dann mit Herrn Ing. Arthur Hensel bis in den Herbst 1953 im Außendienst tätig. Da die Motoren häufig überdreht wurden, was zu enormen Pleuellager-Schäden führte, mussten nachträglich Drehzahlregler montiert werden; wir wollten unsere Kunden nicht verlieren. Ich reiste mit Ing. Arthur Hensel in Deutschland herum, reparierte die Motoren vor Ort und montierte überall die Regler. Weitere Änderungen am Motor sind mir nicht bekannt, aber ich habe die Firma in den letzten Jahren ihres Bestehens nicht mehr besucht.
Anschließend arbeitete ich, allerdings mit Unterbrechungen, wieder in der Firma, sowohl im Motorenbau, als auch bei Rafflenbeul. Im September 1954 verließ ich die Firma, um mich meinem Ing.-Studium zu widmen. Bis Ende 1956 verdiente ich mir mein Studium durch Arbeit in den Ferien bei Berning. Im März 1957 legte ich das Staatsexamen ab und ging in die Schweiz.
Fahrzeugmotoren
Universal Meteor
Mit Interesse habe ich den Beitrag über das Schweizer Motorrad "Universal Meteor" in Markt 12/88 gelesen. Dazu habe ich einige interessante Ergänzungen anzubringen, die auch Eingeweihten kaum bekannt sein dürften:
In den Jahren 1952 bis 1954 arbeitete ich als Praktikant in der Firma Motorenbau Alfred Berning in Schwelm/ Westfalen. Diese Firma war Lizenznehmerin der Firma 'Universal' und baute die stationären Motoren von 6 und 12 PS (letzteren als 4-Takt-Boxer). Diese Motoren wurden mit großem Erfolg in sogenannten Einachsschlepper verschiedener Firmen eingebaut.
Im Jahre 1953 tauchte plötzlich ein wunderschöner Boxermotor auf dem Prüfstand auf. Es handelte sich um den 580-ccm Motorradmotor. Aus steuertechnischen Gründen wurde dieser Motor in Schwelm dann auf knapp unter 500-ccm reduziert. Ich erinnere mich noch gut daran, dass die Laufruhe bei heißer Maschine etwas zu wünschen übrigließ. Man erklärte das mit zunehmendem Ventilspiel in Folge ungleichmäßiger Ausdehnung der verschiedenen Teile des Motors. Diese Maschine sollte in einem Rahmen modernster Konzeption mit Vorderrad-Schwinge der Firma 'Rabeneick' eingebaut werden.
Weiterhin wurde der Motor der Kleinstwagen-Fabrik 'Champion' in Mannheim/Ludwigshafen in einem kleinen Kombi als sogenannter Unterflur-Motor erprobt. Wie viele Motoren wirklich gebaut wurden, weiß ich nicht, da ich die Firma verließ, um mich meinem Studium zu widmen. Irgendwann in den späten 60er- oder frühen 70er-Jahren schloss der Motorenbau Berning endgültig die Tore. Die Zeit der Motorräder war vorbei: das Volk wollte beim Fahren ein Dach über dem Kopf.
Außenbordmotoren
Eine nur kurze Episode bei Berning war der Bau von Außenbordmotoren für Sportboote. Das war ein Erbe der Firma Koch in Wuppertal. Diese Firma ging in Konkurs und Berning produzierte ohne großen Erfolg die Zweitakter weiter.
Dieselmotoren
Eine Eigenentwicklung war ein Einzylinder-Dieselmotor für die Landwirtschaft ab ca. 1955. Vom Ingenieur, welcher den Dieselmotor in den Jahren 1954/55 entwickelte, ist der Name nicht genau bekannt (Herr Ditmar oder so ähnlich). Er war freischaffender Ingenieur, d.h. er war nicht Angestellter der Firma Berning, hielt sich aber lange Zeit in Schwelm auf. Er kam aus Bayern, vermutlich München. Die Produktionszahlen dieses Motors sind auch nicht bekannt.
W.E. Meyer, Mitarbeiter der Pennsylvania State University (USA) schreibt 1957 in einem Bericht über die europäische Motorenproduktion (aus Englisch übersetzt):
"Der Berning Viertakt-Dieselmotor gibt ein spezifisches Gewicht von 16,3 lb/PS an. Dieser Wert ist vergleichbar mit dem von Zweitaktmotoren gleicher Größe und bleibt bemerkenswert, auch wenn Unterschiede im Schwungradgewicht, bei Hilfskomponenten usw. berücksichtigt werden. Der Motor hat 21 cu. Zoll Hubraum und liefert 7 PS bei 3000 U/min. Dies entspricht einem BMEP von 88 psi, ein durchaus respektabler Wert angesichts der kleinen Zylindergröße und der hohen Geschwindigkeit. Es kommt eine in den Aluminiumkopf eingegossene Turbulenzkammer zum Einsatz. Beachten Sie die Kühlrippen rund um die Einspritzdüse."
Ende
Motorenbau Alfred Berning schloss etwa Mitte der 60er Jahre ihre Tore für immer. Die Firma machte 1972 Konkurs, Hatz übernahm die
Motorensparte.
Alfred Berning starb 1981 in Frankenberg. Sein einziger Sohn Ernst-Alfred Berning, geb. 1935, war bereits 16-jährig 1951 gestorben.
So, das sind nun Aufzeichnungen aus dem Gedächtnis. Immerhin liegt diese Geschichte 50 Jahre zurück, meine letzte Tätigkeit als Werkstudent bei Berning erfolgte 1956. Da ich nach Schwelm keine Kontakte mehr habe, kann ich Ihnen auch niemanden angeben, der Ihnen Zusätzliches erzählen kann; vermutlich lebt auch niemand meiner damaligen Kollegen mehr. Ich war ja zu jener Zeit erst 17/18 Jahre alt.
Ihr Dieter Raschick
Teile
Hier werden noch Neuteile für Berning-Motoren verkauft: Fa. Karlheinz Graf Motoren und Motorenteile Schliengener Straße 12 D-79379 Müllheim Tel.: 07631/5495 Fax: 07631-14513 www.graf-motoren.de.
Links
Besuche meine Berning Typen-Seite, um die von Berning gebauten Motoren zu sehen.
Besuche das Berning Register, um die Nummern aller bekannten noch existierenden Berning-Motoren zu sehen.
Vielen Berning-Motoren haben einen OBA-Vergaser. Unter www.floh-tec.de/OBA erzählt Klaus Schmitt wie man diesen Vergasern, und damit auch die Motoren, besser funktionieren lassen kann.
Unter www.motorenbau.de.vu gibt es einen interessanten Überblick über deutsche Motorenbaufirmen. Da sind auch einige Informationen über Berning.
Unter Beting.nl (niederländisch) erzählt Rob Visman über der Anwendung von Berning-Dieselmotoren in der Schleppschifffahrt. Mit schönen Bildern!
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E-Mail Michiel
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